3. Mai 2010

Entwicklung von Ungleichheit und Armut in Deutschland

In jüngster Zeit hat sich die Schere zwischen Arm und Reich nicht weiter geöffnet. Auch der Anteil der Armen steigt nicht mehr. Die Zahlen widerlegen überdies die Behauptung, die Umstellung von der Arbeitslosenhilfe auf das stärker bedürftigkeitsgeprüfte Arbeitslosengeld II im Zuge der Hartz-IV-Reformen habe Menschen massenhaft in die Armut getrieben. Denn seit 2004 ist der Anteil der Menschen, die weniger als 60 Prozent des allgemeinen Einkommens haben, nicht mehr deutlich gestiegen. Das hing mit der Vielzahl der im Aufschwung neu geschaffenen Stellen zusammen. Ob sich die Situation im Abschwung gedreht hat, lässt sich noch nicht sagen.

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Kontinuierlich beschreiben lässt sich die Entwicklung der Einkommensungleichheit am besten mit den Daten des Sozioökonomischen Panels (SOEP). Das Einkommen wird im SOEP gleich doppelt erfasst. Zum einen mit dem aktuellen laufenden Monatseinkommen, zum anderen mit dem Jahreseinkommen des vergangenen Jahres. Das Jahreseinkommen ist generell etwas ungleicher verteilt als das aktuelle Monatseinkommen. Das liegt vermutlich daran, dass unregelmäßige Einkommenskomponenten und Zusatzeinnahmen, die bei der monatlichen Befragung leicht vergessen und erst beim Jahreseinkommen berücksichtigt werden, bei Wohlhabenden ein höheres Gewicht haben.

Beide Einkommensindikatoren haben sich sehr ähnlich entwickelt. Während sich der Abstand zwischen Arm und Reich jahrzehntelang nicht veränderte, öffnete sich die Schere mit Beginn des neuen Jahrtausends deutlich – auch eine Folge zunehmender Arbeitslosenzahlen. Mit dem Abschmelzen der Arbeitslosigkeit wurde dieser Trend aber gestoppt: Seit dem Jahr 2005 ist die Einkommensungleichheit in etwa konstant geblieben.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der relativen Einkommensarmut. Die Zahlen widerlegen überdies die Behauptung, die Umstellung von der Arbeitslosenhilfe auf das stärker bedürftigkeitsgeprüfte Arbeitslosengeld II (ALG II) im Zuge der Hartz-IV-Reformen habe Menschen massenhaft in die Armut getrieben. Denn seit 2004 ist der Anteil der Menschen, die weniger als 60 Prozent des allgemeinen Einkommens haben, nicht mehr deutlich gestiegen. Das hängt – wie bereits erwähnt – mit der Vielzahl der im Aufschwung neu geschaffenen Stellen zusammen.

Menschen mit Migrationshintergrund gehören zusammen mit den Alleinerziehenden zu den besonders von relativer Einkommensarmut betroffenen Gruppen (Einkommensarmut – die Hauptbetroffenen). Der sozio-demografische Wandel hat dazu geführt hat, dass der Bevölkerungsanteil beider Gruppen deutlich angestiegen ist – bei den Personen mit Migrationshintergrund zwischen 1996 und 2007 um fast 4 Prozentpunkte und bei den Alleinerziehenden um 1 Prozentpunkt. Zudem hat sich die Einkommensposition beider Gruppen verschlechtert. Dies hat die Armutsrisikoquote deutlich nach oben getrieben. Würden hierzulande nur Deutsche und nur Paare mit Kindern leben, hätte der Anteil der armen Menschen zuletzt kaum zugenommen.