13. Januar 2009

Erwerbstätigkeit auf Rekordniveau

Im Herbst 2007 waren in Deutschland zum ersten Male überhaupt mehr als 40 Millionen Menschen erwerbstätig. Gegenüber dem Vorjahr ergibt sich ein beachtlicher Zuwachs von 670.000 Jobs oder um 1,7 Prozent. Eine derartige Steigerung hat es zuletzt im New-Economy-Boom im Jahre 2000 gegeben. Dass die Erwerbstätigkeit Rekordhöhen erreicht hat, lag allerdings nicht nur an der Dynamik des Aufschwungs.

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Die Entwicklung der Erwerbstätigkeit hat vielmehr nie die Krisensymptome gezeigt wie die Entwicklung der Arbeitslosigkeit. Im Gegenteil: Die Zahl der Erwerbstätigen stieg in jedem Boom deutlich an, ohne in der darauf folgenden konjunkturellen Schwächephase wieder auf das alte Niveau zurückzufallen – eine Hysterese unter umgekehrten Vorzeichen.

Langfristig führt dieses Muster zu einer starken Ausweitung der Erwerbstätigkeit. In den vergangenen 35 Jahren sind in Westdeutschland rund 6 Millionen neue Arbeitsplätze entstanden. Insbesondere der Aufschwung in der zweiten Hälfte der 80er Jahre brachte viele neue Jobs. Dagegen fallen die Arbeitsmarktkrisen 1997 und 2003/2004 kaum ins Gewicht. Anders verlief die Entwicklung allerdings in den neuen Bundesländern. Hier gingen insbesondere nach dem Ende des New-Economy-Booms viele Arbeitsplätze verloren.

Dafür, dass die Erwerbstätigkeit im Westen stark zunahm, sind im Wesentlichen zwei Faktoren verantwortlich:

  • Die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter nahm in den 80er Jahren deutlich zu, als die geburtenstarken Jahrgänge aus den 60er Jahren auf den Arbeitsmarkt drängten. Im Jahr 1970 gab es noch 38,8 Millionen Einwohner zwischen 15 und 65 Jahren, die potenziell erwerbstätig werden konnten. Im Jahr 1990 war diese Zahl auf 44,2 Millionen angestiegen. Am aktuellen Rand ist die Tendenz allerdings umgekehrt. Aus demografischen Gründen gehen dem Arbeitsmarkt jährlich rund 100.000 Erwerbspersonen verloren. Seit zwei Jahren kann dieser Verlust nicht mehr durch Zuwanderung und eine höhere Erwerbsbeteiligung kompensiert werden. Insofern könnte es sein, dass die Job-Erfolgsstory demnächst abbricht.
  • Ein immer größerer Teil der Bevölkerung stellt seine Arbeitskraft zur Verfügung. Insbesondere die Erwerbsbeteiligung der Frauen stieg an. Im Jahr 1980 wollten lediglich 50 Prozent der Frauen arbeiten, heute sind es 66 Prozent. Demgegenüber ist die Erwerbsbeteiligung der Männer sogar leicht gesunken.

In beiden Fällen bleibt aber festzuhalten: Für die Zunahme der Beschäftigung war in erster Linie die Zunahme der Nachfrage nach Jobs maßgeblich. Das Angebot an Arbeitsplätzen hat darauf flexibel reagiert.