13. Januar 2009

Arbeitslosigkeit jenseits der Dauerkrise

Im Januar 2006 fiel die Zahl der Arbeitslosen zum ersten Mal seit Mitte 2004 unter den Wert des Vorjahresmonats. Anders als zwei Jahre zuvor handelte es sich nicht um ein Strohfeuer, sondern um eine substantielle, andauernde Erholung. Seitdem ist die Zahl der Arbeitslosen um 2 Millionen auf zuletzt 3 Millionen zurückgegangen. Das Jahr 2008 lässt noch einmal sinkende Arbeitslosenzahlen erwarten, auch wenn der Rückgang nicht mehr so stark sein wird wie 2006/2007. Im Jahresdurchschnitt 2007 sank die Arbeitslosenquote mit 9 Prozent auf das niedrigste Niveau seit 1993.

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Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Die neuerliche Entwicklung der Arbeitslosenzahlen hat auch eine andere Qualität. Bisher stieg die Arbeitslosigkeit zwar in einer Rezession stark an; in der darauf folgenden konjunkturellen Erholungsphase fiel sie aber nicht auf das Ausgangsniveau zurück. So entstand ein immer höherer Sockel Arbeitsloser. Das Problem wurde scheinbar unaufhaltsam größer, wofür man den Begriff „Hysterese“ fand. Dieses Muster scheint nunmehr durchbrochen. Die Arbeitslosigkeit ist nicht nur auf das Niveau des letzten Aufschwungs der Jahre 1998 bis 2000 gesunken, sie geht sogar noch weiter zurück.

Ob dies auch zu einer langfristig sinkenden strukturellen Arbeitslosigkeit führt, muss die zukünftige Entwicklung zeigen. Von struktureller Arbeitslosigkeit spricht man, wenn das Wirtschaftswachstum nicht zu einem Rückgang der Arbeitslosigkeit führt, z.B. weil Arbeitsplätze und Arbeitskräfte nicht zusammenpassen.

Auch im internationalen Vergleich hat Deutschland Boden gutgemacht. Noch im Jahr 2005 zählte Deutschland zu den beschäftigungspoltischen Sorgenkindern Europas. Die harmonisierte Arbeitslosenquote von hierzulande 9,5 Prozent wurde nur von den Transformationsländern Polen und der Slowakei deutlich übertroffen. Gemeinsam mit Frankreich, Griechenland und Spanien wies Deutschland die höchste Arbeitslosigkeit der alten EU-Mitgliedsländer auf. Zwar hatten früher auch andere Länder mit hoher Arbeitslosigkeit zu kämpfen, doch in vielen Staaten wurde dem Problem, trotz ähnlicher konjunktureller Voraussetzungen, mehr oder weniger erfolgreich begegnet. So hatten Dänemark und Großbritannien noch Anfang und Mitte der 90er Jahre Arbeitslosenquoten, die höher waren als in Deutschland zur Zeit der tiefsten Krise. Es gelang in diesen Ländern jedoch innerhalb einer Dekade, die Arbeitslosigkeit auf ein erträgliches Maß zurückzuführen. Ob dies auch an Rhein und Oder gelingt, bleibt offen. Nach wie vor ist die Arbeitslosigkeit in Deutschland vergleichsweise hoch. Zumindest aber konnte der Rückstand zu den erfolgreicheren Nationen etwas verkürzt werden. Im Jahr 2007 lag die Quote in Deutschland mit 8,4 Prozent gut einen Prozentpunkt über dem Durchschnitt der Eurozone von 7,4 Prozent, im Herbst 2008 wurde der EU-25-Durchschnitt erreicht.