Mit 43,4 Millionen war die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland Ende 2015 so hoch wie nie zuvor. Inzwischen sind hierzulande 78 Prozent aller 20- bis 64-Jährigen erwerbstätig – das ist nach Schweden die zweithöchste Quote in ganz Europa. Zugleich ist die Arbeitslosigkeit weiter auf dem Rückzug, saisonbereinigt waren im Februar 2016 rund 10.000 Menschen weniger auf Jobsuche als im Vormonat; die Arbeitslosenquote betrug lediglich noch 6,6 Prozent.

Diese positive Entwicklung hat für die Unternehmen jedoch die unerfreuliche Folge, dass für die Besetzung freier Stellen immer weniger Kandidaten zur Verfügung stehen. Das verlängert die Suche merklich:

Im Jahr 2010 benötigten Unternehmen in Deutschland im Durchschnitt 70 Tage, um einen Arbeitsplatz neu zu besetzen – 2015 waren es bereits 85 Tage.

Dies ist so lange kein allzu großes Problem, wie die Unternehmen sich beizeiten auf die Bewerbersuche einstellen können – zum Beispiel, wenn sie frühzeitig wissen, dass ein neuer Auftrag mit entsprechendem Personalbedarf ins Haus kommt oder dass ein altgedienter Mitarbeiter demnächst in Rente geht. Allerdings sind eben nicht alle Vakanzen langfristig absehbar.

Die Firmen haben auf die veränderte Arbeitsmarktlage reagiert und kalkulieren eine längere Zeitspanne vom Beginn der Personalsuche bis zum geplanten Eintrittstermin ein. Lag diese Zeitspanne 2010 noch bei 48 Tagen, waren es im vergangenen Jahr 58 Tage.

Dennoch liegen Wunsch und Wirklichkeit bei der Personalsuche oft weit auseinander:

Im Jahr 2015 dauerte es im Schnitt 27 Tage länger als geplant, bis Betriebe eine Stelle besetzen konnten.

Dabei ist die Suche in der Regel umso langwieriger, je höher die geforderte Qualifikation ist. Bis ein neuer beruflich ausgebildeter Mitarbeiter gefunden war und seine Arbeit aufnehmen konnte, dauerte es im vergangenen Jahr durchschnittlich 89 Tage. Allerdings ist das Gefälle sehr stark – je nachdem, wie groß der Fachkräftemangel im betreffenden Beruf ist. So waren neue Personalentwickler nach 50 Tagen im Betrieb, Programmierungsspezialisten dagegen erst nach rund 180 Tagen.

Akademiker für ein Unternehmen zu gewinnen, dauerte 2015 im Schnitt sogar mehr als 100 Tage – allein zwischen dem geplanten und dem tatsächlichen Arbeitsbeginn vergingen fast 40 Tage. Auch hier sind die Unterschiede zwischen den Fachgebieten groß: Während Dolmetscher nach 44 Tagen einsatzfähig waren, betrug die Zeitspanne bei Apothekern und IT-Beratern im Mittel deutlich mehr als 150 Tage.

Um diese Vakanzzeiten zu verkürzen, kommt es für die Unternehmen entscheidend auf eine gut geplante Suche an. Erfahrungsgemäß sind manche Wege der Personalsuche erfolgreicher als andere (Grafik):

Von je 100 neu eingestellten Mitarbeitern haben die Unternehmen im vergangenen Jahr 29 über Empfehlungen eigener Beschäftigter oder persönliche Kontakte gefunden.

Berücksichtigt man, dass dieser Suchweg nur in jedem zweiten Fall genutzt wurde, liegt die Erfolgsquote sogar bei 59 Prozent – höher als bei allen anderen Arten der Personalsuche. Auffällig ist, dass kleine Betriebe fast doppelt so oft auf persönliche Netzwerke zur Mitarbeitergewinnung setzen wie große Firmen.

Ähnlich erfolgsträchtig ist nur noch der Weg, freie Stellen im Unternehmen mit Praktikanten, Auszubildenden oder Zeitarbeitern zu besetzen. Der Vorteil für den Betrieb liegt auf der Hand – schließlich sind die Kompetenzen und Potenziale dieser Personen bereits bekannt. Dennoch wurden 2015 nur 3 Prozent aller Stellen auf diesem Weg besetzt, weil die Zielgruppe relativ klein ist.

Eine Nebenrolle spielen dagegen bislang die sozialen Netzwerke – nur 1 Prozent aller Neueinstellungen erfolgte im vergangenen Jahr mithilfe von Facebook, Xing und Co.

Die Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zeigen auch, dass Firmen oft mehrere Suchwege parallel nutzen. Eine durchdachte Verknüpfung zum Beispiel von persönlichen Kontakten, Inseraten und Jobbörsen im Internet erweist sich denn auch als besonders geeignet, um schnell den bestmöglichen Kandidaten zu finden.

Ansprechpartner

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