Forschungsgruppen 30. November 2011

Markt und Staat

Markt und StaatQuelle: Fotolia

Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln hat die Kette von globaler Finanzkrise, Vertrauenskrise und Wirtschaftskrise im Jahr 2009 zum Anlass genommen, die Frage nach der richtigen Wirtschaftsordnung noch einmal neu aufzugreifen. Die zu diesem Zweck eingerichtete, interdisziplinär arbeitende Forschungsgruppe Markt und Staat ist als Projekt zunächst auf drei Jahre angelegt. Die Gruppe arbeitet mit externen Forschungseinrichtungen zusammen, veranstaltet wissenschaftliche Tagungen und veröffentlicht wissenschaftliche Publikationen.

Die ordnungspolitische Analyse gehört ohnehin zur Kernkompetenz des IW. Die Krise hat jedoch einen über das Alltagsgeschäft hinausgehenden, grundlegenderen Forschungsbedarf offenbart. Es geht grundsätzlich um eine gute, krisenfeste Wirtschaftsordnung, um eine Neujustierung des Verhältnisses von Markt und Staat. Hierfür ist es notwendig, den Blick zu weiten, substanzielle Fortschritte in den Randbereichen der Wirtschaftstheorie und in ihren Nachbardisziplinen in die Analyse mit einzubeziehen.

Schwerpunkte

Menschenbild: Die Krise hat verdeutlicht, dass Menschen nicht so rational entscheiden, wie es herkömmliche ökonomische Modelle unterstellen. Die Aussagekraft dieser Theorien ist somit eingeschränkt; die daraus abgeleiteten, weitgehend psychologieblinden Politikempfehlungen geben keine verlässliche Orientierung. Die moderne Verhaltensökonomik betrachtet den Menschen, wie er ist – kurzsichtig, irrational, neidisch und doch fairnessorientiert. Was bedeutet dies für die Legitimität staatlicher Eingriffe?

Moral: Die Menschen sind in ihrem Tun ebenso von individuellen Moralvorstellungen geleitet wie von den Regeln, den Gesetzen und Normen (Institutionen) der Gesellschaft. Beide Sphären gilt es zu berücksichtigen, wenn sich die Frage stellt, ob Märkte „Moralverzehrer“ sind und was dann zu tun wäre. Und wie ist es eigentlich um das Verhältnis zwischen vorgegebener Regulierung und eigenem Gewissen bestellt?

Systemisches Risiko: Weithin wurde unterschätzt, dass es in komplexen Wirtschaftssystemen zu Blasen oder anderen selbstverstärkenden Schieflagen kommen kann, die Panik hervorrufen. Wenn Vertrauen abrupt verloren geht, neigen die Akteure einerseits zu Übervorsicht und andererseits zu Fluchtverhalten. Was genau ist systemisches Risiko und wen erfasst es? Wie lässt es sich vorab berücksichtigen und unter Kontrolle bringen? Wie gilt es in der Krise zu reagieren?

Systemwettbewerb: Die Finanzsysteme und ihre Regulierung unterscheiden sich in aller Welt trotz großer Harmonisierungsbemühungen deutlich. Unter welchen Umständen ist ein solcher Systemwettbewerb sinnvoll, wann führt er zu einem „Race to the bottom“? Wann erstickt Gleichförmigkeit die Möglichkeit, voneinander zu lernen, wie viel Koordination ist trotzdem nötig?

Veranstaltungen

Zu den Wissenschaftlichen Tagungen

IW-Veröffentlichungen

Zum Thema Markt und Staat

Sonstige Veröffentlichungen

(Michael Hüther, Dominik Enste)
Bürgerschaftliches Engagement der Unternehmen im öffentlichen Raum
ORDO – Jahrbuch für die Ordnung von Wirtschat und Gesellschaft, 2012, Band 63, S. 293-323

(Hans-Peter Klös gemeinsam mit Lutz Bellmann, Eckart Bomsdorf, Werner Eichhorst, Silke Eilers, Daniel Ehing, Stefan Moog, Matthias Schuster)
Die Zukunft der Arbeitswelt - Auf dem Weg ins Jahr 2030
Bericht der Kommission "Zukunft der Arbeitswelt" der Robert Bosch Stiftung mit Unterstützung des Instituts für Beschäftigung und Employability IBE, 2013, S. 38-118

(Rolf Kroker)
Wieder auf Wachstumskurs
ZVEI-Jahresbericht 2013

(Knut Bergmann gemeinsam mit Leonard Novy)
Chancen und Grenzen philanthropischer Finanzierungsmodelle
Aus Politik und Zeitgeschichte, 62. Jg., B 29-31, 2012, Seite 33-39

(Knut Bergmann)
Zum Verhältnis von Parlamentarismus und Protest
Aus Politik und Zeitgeschichte, 62. Jg., B 25-26, 2012, Seite 17-22

(Dominik Enste gemeinsam mit Friedrich Schneider)
The Shadow Economy – An international Survey
Second Edition, 2013, Cambridge

(Dominik Enste gemeinsam mit Theresa Eyerund)
Beschäftigungslücke in der Pflege – Zwischen Präzision und Politikrelevanz
Sozialer Fortschritt, 2012, Nr. 2-3, S. 38-42

(Dominik Enste gemeinsam mit Inna Knelsen, Michael Neumann)
Konsumenten- und Agentenethik. Zur Verantwortung für moralisches Handeln von und in Unternehmen
Zeitschrift für Wirtschafts- und Unternehmensethik ; Jg. 13, H. 3, 2012, S. 236-254

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