M+E-Berufsausbildung

Noch mehr Spielraum gefragt

Für die Unternehmen der Metall- und Elektro-Industrie ist die betriebliche Berufsausbildung das wichtigste Standbein zur Sicherung des Fachkräftenachwuchses. Der überwiegende Teil der Firmen ist mit dem Status quo der Ausbildungsstrukturen auch zufrieden. Gleichwohl wünschen sich die Betriebe mehr inhaltliche und zeitliche Flexibilität in der Ausbildung, um etwa Leistungsunterschiede bei den Jugendlichen stärker berücksichtigen zu können.

Die Metall- und Elektro-Industrie steht in diesem Jahr vor einer Belastungsprobe: Einerseits müssen die Unternehmen die Arbeitsplätze der Kernbelegschaften sichern, was aufgrund der Finanz- und Konjunkturkrise kein leichtes Unterfangen sein wird. Andererseits darf die Branche die Nachwuchssicherung nicht aus den Augen verlieren. Denn nach wie vor sind junge Ingenieure, Techniker, Meister und Fachkräfte in Metall- und Elektroberufen gefragt (vgl. iwd 42/2008). Dieser strukturelle Mangel wird in den nächsten Jahren demografiebedingt sogar noch größer werden.

Momentan arbeiten in den rund 23.000 Unternehmen der M+E-Industrie 3,6 Millionen Beschäftigte. Davon absolvieren 193.000 junge Leute eine Ausbildung – beispielsweise als Werkzeugmechaniker, Industriekaufmann oder Elektroniker für Automatisierungstechnik. Die Unternehmen lassen sich die Nachwuchssicherung jährlich rund 4 Milliarden Euro kosten. Um sicherzustellen, dass die jungen Leute das lernen, was den Anforderungen des Arbeitsmarkts entspricht, werden die Ausbildungsordnungen regelmäßig überprüft. Mit den jüngsten Neuerungen aus den Jahren 2003/04 kommt die Mehrzahl der Betriebe gut zurecht, wie eine Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) im Auftrag des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall ermittelt hat (Grafik):

Mehr als 70 Prozent aller ausbilden­den M+E-Unternehmen sind zufrieden mit den derzeitigen Ausbildungsstrukturen.

Mit zunehmender Unternehmensgröße steigt der Zustimmungsgrad sogar noch. So kommen die ausbildenden Unternehmen mit 500 und mehr Beschäftigten fast durch die Bank mit den derzeitigen Ausbildungsbedingungen gut klar. Aber auch die kleineren Unternehmen berichten mehrheitlich, dass die Ausgestaltung der dualen M+E-Berufe ihren Anforderungen entspricht.

Die Betriebe schätzen an der Neuordnung vor allem solche Elemente, mit denen sie die Ausbildung flexibel auf die betrieblichen Erfordernisse zuschneiden können. Dazu zählen etwa die produkt- und technikneutrale Formulierung der Ausbildungsinhalte sowie die Zeitrahmenmethode. Demnach kann solcher Lehrstoff intensiver behandelt werden, der im jeweiligen Betrieb besonders benötigt wird. Den Unternehmen gefällt auch die Möglichkeit, Azubis am Ende der Ausbildung im Betrieb intensiv und praxisnah auf den späteren Arbeitsplatz vorzubereiten.

Trotz der grundsätzlichen Zustimmung meint rund die Hälfte aller ausbildenden M+E-Unternehmen, es gäbe Entwicklungsbedarf. Am dringendsten nötig sind nach ihrer Ansicht Veränderungen in den Ausbildungsstrukturen der industriellen Metallberufe. An zweiter Stelle folgen die Elektroberufe, auf Platz drei landen die sonstigen M+E-Berufe.

Nachjustiert werden sollte vor allem an diesen Stellen:

Differenzierung. Die Ausbildung in den M+E-Berufen soll sowohl für schwache als auch für starke Schüler attraktiv sein. Zwei Drittel der ausbildenden Unternehmen wünschen sich Veränderungen, die primär auf leistungsschwächere und praxisbegabte Jugendliche abzielen. Doch auch für leistungsstärkere Bewerber soll die Ausbildung interessanter werden, etwa durch ein verbessertes Angebot von Zusatzqualifikationen.

Um beiden Zielgruppen gerecht zu werden, wünschen sich knapp drei Viertel der Unternehmen für die Ausbildung eine stärkere Differenzierung nach Leis­tungsfähigkeit. So plädieren sechs von zehn Unternehmen dafür, den Azubis den Lehrstoff in den Betrieben unterschiedlich schnell beibringen zu können. Eine generelle Verkürzung der Ausbildung auf zwei Jahre lehnt die breite Mehrheit der Betriebe allerdings ab. Neun von zehn Firmen befürworten zudem, dass die Berufsschulen künftig Zusatz- und Förderkurse zur Leistungsdifferenzierung anbieten sollen.

Bessere Berufsvorbereitung. Die meisten Betriebe, 80 Prozent, wünschen sich, dass die Berufsvorbereitung die Jugendlichen besser auf die Ausbildung hinführt. So könnten beispielsweise die Einstiegsqualifizierungen stärker genutzt werden: Hier durchlaufen Bewerber, die noch keinen Ausbildungsvertrag in der Tasche haben, eine Berufsvorbereitung zwischen 6 und 12 Monaten. Der Abschluss einer solchen Maßnahme kann zudem von den Betrieben auf eine Ausbildung angerechnet werden, wenn er einen Teil der Inhalte eines Ausbildungsberufs abdeckt.

Verzahnung mit der Weiterbildung. Damit die duale Ausbildung für leis­tungsstarke Jugendliche attraktiv bleibt, muss ihnen der Weg zu beruflicher Wei­ter­bildung und Höherqualifizierung offen­stehen. So plädieren 62 Prozent der befragten Betriebe für eine höhere Durchlässigkeit in die akademische Ausbildung. Die Berufsausbildung soll keine Bildungssackgasse sein, sondern den Jugendlichen und Absolventen eine interessante Perspektive für ihre Karriereplanung eröffnen.

Um all diese Ziele zu erreichen, können sich neun von zehn ausbildenden M+E-Unternehmen für flexiblere Strukturen in der Ausbildung begeistern. Sogar nichtausbildende Betriebe votieren zu knapp 80 Prozent für die Einführung von Ausbildungsbausteinen, also für in sich abgeschlossene Einheiten innerhalb der Gesamtstruktur eines Berufsbilds. Insgesamt bewerten die befragten M+E-Unternehmen die Einführung von Bausteinen in der Ausbildung also sehr positiv (Grafik):

Besonders wichtig ist den Betrieben mehr inhaltliche und zeitliche Flexibilität bei der Berufsausbildung.

Aus unterschiedlichen Ausbildungsmodulen wählen zu können, wünschen sich über 80 Prozent der Befragten; noch stärker selbst entscheiden zu können, wann was im Betrieb gelehrt wird, befürworten immerhin 65 Prozent der M+E-Unternehmen. Gerade dies soll dazu beitragen, die Schwächeren im Rahmen der Ausbildung besser fördern, respektive die Stärkeren intensiver fordern zu können.

Die überwiegende Mehrheit der Befürworter von Ausbildungsbausteinen spricht sich darüber hinaus für eine stärkere Leistungsdifferenzierung in den Betrieben aus – zum Beispiel durch einen um Förder- und Zusatzkurse ergänzten Fach­­klassenunterricht in der Berufsschule.

Die Einführung von Ausbildungsbausteinen sollte jedoch nicht dazu führen, dass der organisatorische Aufwand für Berufsausbildung ausufert. Eine berufsfeldübergreifende Grundausbildung in den ersten 12, 18 oder 24 Monaten könnte hier Abhilfe schaffen, weil dabei junge Leute, die verwandte Berufe erlernen, sowohl im Betrieb als auch in der Berufsschule zusammen ausgebildet werden.

Weniger Aufwand und weniger Kosten hätten die Betriebe zudem, würde der Berufsschulunterricht stärker an den Anfang der Ausbildung verlagert. Das käme 60 Prozent der M+E-Betriebe entgegen.

Sollten Bausteine in die M+E-Ausbildung eingeführt werden, wünschen sich die meisten Unternehmen eine regelmäßige Dokumentation des Gelernten mit Anrechnung auf die Abschlussprüfung. Darüber hinaus möchten viele Firmen die Option haben, sich stärker an der Prüfungsdurchführung zu beteiligen.


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