Engagierte Unternehmen
Will Deutschland den wirtschaftlichen Anschluss nicht verlieren, müssen Forschung und Lehre an den hiesigen Hochschulen auf dem neuesten Stand sein. Um dies zu gewährleisten, nehmen auch die Unternehmen viel Geld in die Hand – und sie wollen trotz Krise in ihrem Engagement für die akademische Bildung nicht nachlassen, wie eine Befragung für das Institut der deutschen Wirtschaft Köln ergab.*)
Deutschlands Unternehmen suchen nicht nur händeringend hochqualifizierten Nachwuchs, sie selbst tun auch viel dafür, dass die Ausbildungsstätten den Anforderungen der Wirtschaft gerecht werden: Im Jahr 2008 hat sich jeder fünfte Industriebetrieb finanziell an einer Hochschule engagiert, etwa in Form von Spenden, Sponsoring, Stiftungslehrstühlen oder Stipendien. Dies ergab eine repräsentative Befragung von 1.250 Industrieunternehmen durch das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) und den Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft im März dieses Jahres. Rund 82 Prozent der fördernden Firmen gaben dabei zu Protokoll, dass sie trotz Wirtschaftskrise an ihrer Unterstützung für die akademische Bildung festhalten. Für die wenigen Firmen, die ihr Engagement beenden, rücken andere nach, die bisher auf keinem Campus in Erscheinung getreten sind. Unterm Strich dürfte der Prozentsatz der im Hochschulsponsoring aktiven Unternehmen demnächst sogar leicht von 22 auf 23 steigen (Grafik).
Besonders Großunternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten machen sich für die Wissenschaft stark. Gut zwei Drittel dieser Firmen griffen den Akademikerschmieden im Jahr 2008 auf die ein oder andere Art unter die Arme – und in Zukunft werden es nach eigenem Bekunden sogar noch ein paar mehr sein.
Kleinen Betrieben fällt es dagegen schwerer, Geld für Zwecke zu erübrigen, die sich nicht unmittelbar positiv im Geschäftsergebnis niederschlagen. Dennoch engagierten sich zuletzt immerhin 33 Prozent der Mittelständler mit 50 bis 500 Mitarbeitern und 15 Prozent der Firmen mit weniger als 50 Beschäftigten in der Hochschulfinanzierung. In der Summe kommt ein stolzer Betrag zusammen (Grafik):
Mehr als 1 Milliarde Euro steuerten die Unternehmen im Jahr 2006 laut amtlicher Statistik zum Etat der hiesigen Universitäten und Fachhochschulen bei.
Selbst von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Deutschlands wichtigster öffentlicher Institution zur Forschungsförderung, kam nur unwesentlich mehr. Alles in allem machten Drittmittel – also Gelder, mit denen die Hochschulen ihre regulären Finanzmittel ergänzen – 2006 gut ein Sechstel der Hochschulbudgets aus. Private Drittmittel kommen nicht nur von den Unternehmen, sondern auch von Stiftungen, deren Kapital zumeist aus unternehmerischer Tätigkeit stammt. Die wohltätigen Einrichtungen brachten zuletzt 345 Millionen Euro auf und haben ihren Beitrag damit seit 1998 fast verdreifacht.
Zusammengenommen vermehrten sich die privaten Drittmittel von 1998 bis 2006 um 65 Prozent, während die von der öffentlichen Hand bereitgestellte Forschungsfinanzierung im selben Zeitraum nur um 51 Prozent wuchs.
Das, was die Unis und FHs als Drittmittel ausweisen – Geldspenden, Forschungsaufträge und Stiftungsprofessuren – spiegelt die Hochschulunterstützung seitens der Wirtschaft allerdings nur unvollständig wider. Folgende Posten tauchen in der Statistik nicht auf:
• Sachausstattung.
Vor allem in technischen und naturwissenschaftlichen Fächern stellen Unternehmen modernste Geräte und Laborausstattungen bereit, damit die Ausbildung auf dem neuesten Stand bleibt. Die Informatik zum Beispiel profitiert von kostenlosen oder stark vergünstigten Softwarelizenzen. In anderen Fächern helfen Firmen beim Aufbau von E-Learning-Portalen.
• Mitwirkung an der Lehre.
Rund 5.500 Firmen beteiligen sich an der Planung und Durchführung von zurzeit 334 dualen Studiengängen, also solchen, bei denen längere betriebliche Praxisphasen fest ins Curriculum eingebaut sind.
Manche Betriebe organisieren gemeinsam mit Hochschulen studienbegleitende Veranstaltungen wie Unternehmensexkursionen, Workshops oder Summerschools. Andere Firmen stellen Mitarbeiter als Lehrbeauftragte ab oder arbeiten in Career-Centern für einen leichteren Berufseinstieg sowie in den Existenzgründungszentren der Hochschulen mit. Außerdem beraten Unternehmensvertreter die Hochschulen bei der Umstellung auf die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge.
• Studentenförderung.
Ein großer Teil des Unternehmensengagements im Rahmen der Hochschulausbildung kommt direkt den Studenten zugute. So bietet die Wirtschaft geschätzte 50.000 Praktikumsplätze. Diese sind entweder fester Bestandteil des Studiums, oder aber die Studenten absolvieren Praktika freiwillig und nutzen die gewonnenen Kontakte für einen leichteren Berufseinstieg.
Eine Brücke zum Arbeitsmarkt sind auch in und für Unternehmen angefertigte Abschlussarbeiten. Jede dritte Firma in den Branchen Chemie, Elektrotechnik sowie Maschinen- und Fahrzeugbau bietet derzeit die Möglichkeit dafür.
Für die jungen Leute haben diese Praxiskontakte einen nützlichen Nebeneffekt: Viele Unternehmen zahlen Vergütungen. Besonders begabte Praktikanten erhalten unter Umständen auch Darlehen oder Stipendien, studienbegleitende Weiterbildungen oder eine persönliche Karriereberatung. Etliche Unternehmen beteiligen sich inzwischen sogar an Fonds zur Studienfinanzierung (siehe unten).
Selbst bei Arbeitnehmern, die ihr Erststudium bereits unter Dach und Fach gebracht haben, reißt der Einsatz der Firmen für die akademische Bildung nicht ab. Jeder dritte weiterbildungswillige Mitarbeiter mit Hochschulexamen bekommt zusätzliche Kurse an der Uni oder Fachhochschule gesponsert. Vier von zehn Unternehmen können sich vorstellen, ihre Mitarbeiter beim Erwerb eines Masterabschlusses zu unterstützen, indem sie einen Teil der Gebühren zahlen.
Wie groß der finanzielle Beitrag der Wirtschaft für jenen Teil der Bildungsfinanzierung ist, der nicht von der Drittmittelstatistik erfasst wird, ist zurzeit nicht bekannt. Das IW Köln und der Stifterverband planen für das Jahr 2010 eine Unternehmensbefragung, die diese Lücke schließt.
Themen
Stipendien-Initiativen der Wirtschaft
Festo-Bildungsfonds: Um dem Fachkräftemangel im technischen Bereich entgegenzuwirken, investierte das Familienunternehmen Festo, Spezialist für Antriebstechnik, 5 Millionen Euro in einen Fonds, der von der Münchener Firma career concept verwaltet wird. Studierende können ein Darlehen aufnehmen, das sie später mit einem bestimmten Prozentsatz ihres Einkommens zurückzahlen. Außerdem kommen sie in Kontakt mit Unternehmen und Hochschulen, die als Netzwerkpartner des Fonds weitere Studienförderung durch Seminare und Praktika anbieten.
Mannheimer Modell Mittelstandsstipendien: Im Bereich der IHK Rhein-Neckar haben sich kleine und mittelständische Firmen zusammengeschlossen, um Stipendien zu finanzieren, die sie gemeinsam mit der Hochschule Mannheim vergeben. Ziel ist ein frühzeitiger Kontakt zu potenziellen Fachkräften und eine bessere Vernetzung mit der Hochschule.
Studienfonds OWL: Unternehmen, Stiftungen und Einzelpersonen spenden für den im Jahr 2006 von fünf Hochschulen der Region Ost-Westfalen Lippe gegründeten Studienfonds OWL. Gefördert werden Studenten, die an einer der beteiligten Einrichtungen studieren – dazu gehören die Universitäten Bielefeld und Paderborn, die Fachhochschule Bielefeld, die Fachhochschule Lippe und Höxter sowie die Musikhochschule in Detmold.
Der Studienfonds OWL hat in der kurzen Zeit seines Bestehens bereits mehr als 1 Million Euro an Geldern und Geldzusagen eingeworben und fördert insgesamt 230 angehende Akademiker. Parallel zur materiellen Hilfe soll ein Netzwerk zwischen Förderern und Stipendiaten aufgebaut werden, um deren berufliche Entwicklung zu unterstützen.
*) Vgl. Christiane Konegen-Grenier
Hochschulen und Wirtschaft – Formen der Kooperation und der Finanzierung
IW-Analysen Nr. 48
Köln 2009, 106 Seiten, 18,90 Euro
Bestellung über Fax: 0221 4981-445 oder unter: www.divkoeln.de
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iwd 11. Januar 2012
Akademische Bildung: Die Wirtschaft unterstützt Studenten
Der Fachkräftemangel und gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein veranlassen nahezu sechs von zehn Unternehmen in Deutschland, in die akademische Ausbildung zu investieren. Zuletzt wurden Hochschulen, Studenten und studierende Mitarbeiter der Firmen mit mehr als 2,2 Milliarden Euro unterstützt. mehr
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Pressemitteilung 9. Januar 2012
Akademische Bildung: Firmen fördern praxisnah
Die deutschen Unternehmen, die in die akademische Bildung investieren, fördern den Nachwuchs möglichst praxisnah: Fast jeder zweite in dieser Hinsicht engagierte Betrieb ermöglicht Studenten ein Praktikum. Gut ein Drittel investiert in Mitarbeiter, die parallel zu ihrer Berufstätigkeit einen Hochschulabschluss erwerben. mehr
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IW-Trends 27. September 2011
Christiane Konegen-Grenier / Thorsten Lang / Mathias Winde: Investitionen in die akademische Bildung
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Gutachten 31. Januar 2011
Christiane Konegen-Grenier / Mathias Winde: Bildungsinvestitionen der Wirtschaft
Ausgaben der Unternehmen für Studierende und Hochschulen mehr
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Veranstaltungen 18. November 2010
Pressekonferenz: Investitionen von Unternehmen in akademische Bildung
iwd - Nr. 19 vom 7. Mai 2009
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