Curriculum für die Grundbildung
Das deutsche Schulsystem hat offenkundig ein Qualitätsproblem. Schon lange ist bekannt, dass in Deutschland etwa 4 Millionen Analphabeten leben – die Dunkelziffer dürfte noch viel größer sein. Kurz- oder mittelfristig ist dieses Problem kaum zu lösen. Denn ein Fünftel der Schüler, die jährlich nach der 9. oder 10. Klasse die Schule verlassen, verfügt nicht über grundlegende Fähigkeiten. Das bedeutet: Rund 160.000 junge Menschen wagen den Schritt ins Berufsleben, können aber nicht in ausreichendem Maß lesen, schreiben und rechnen.
Themen
Diese Jugendlichen – die PISA-Forscher nennen sie Risikoschüler – sind nicht ausbildungsreif, da sie nicht über die allgemeinen Merkmale der Bildungs- und Arbeitsfähigkeit verfügen. Hier setzt das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung bundesweit geförderte „Forschungs- und Entwicklungsvorhaben zur Alphabetisierungs- und Grundbildungsarbeit im Kontext von Wirtschaft und Arbeit“ an. Es ist das bislang umfangreichste Forschungsprojekt in Deutschland zum Thema Analphabetismus. Zurzeit nehmen 21 Forschungsverbünde mit über 100 Einzelprojekten daran teil.
Auch das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) beteiligt sich daran – und zwar im Rahmen des Projektverbunds „Chancen erarbeiten“, dem auch das Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft mit dem Regionalbüro Darmstadt, die Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld und der Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung angehören. Unterstützt wird das IW Köln zudem von Lehrerteams der Berufskollegs Alsdorf und Jülich.
Ausgehend von Lehrplananalysen berufsvorbereitender Bildungsgänge an beruflichen Schulen und der Untersuchung von betrieblichen Ausbildungsanforderungen wollen die IW-Experten ein Basiscurriculum zur Grundbildung entwickeln. Darauf aufbauend konzipieren sie gemeinsam mit den Partnern adressatenspezifische Fördermaßnahmen, die dann an unterschiedlichen Bildungseinrichtungen und in Unternehmen erprobt werden. So soll die Beschäftigungsfähigkeit von weitgehend lese- und schreibunkundigen Menschen sowie anderen Geringqualifizierten verbessert werden.
Kontakt
Helmut E. Klein
Tel. 0221 4981-769
Weitere Information unter: www.chancen-erarbeiten.de
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iwd - Nr. 10 vom 4. März 2009
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