Deutschland fleißig Spenderland
Fast die Hälfte der Bundesbürger unterstützt den Kultur- und den Sportverein im eigenen Dorf ebenso wie die weltweit tätigen Hilfsorganisationen regelmäßig mit Geldspenden. Seit Mitte der 1990er Jahre ist die durchschnittliche Summe, die jeder Deutsche für die Spendentöpfe übrig hat, deutlich gestiegen. Vermögende Privatpersonen und Unternehmer engagieren sich zusätzlich für die Gesellschaft, indem sie Stiftungen gründen. Auch deren Zahl hat in den vergangenen Jahren kräftig zugenommen.
Gerade die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise hat wieder viele Stimmen laut werden lassen, die behaupten, im marktwirtschaftlichen System würden die Menschen nur ihre egoistischen Ziele verfolgen – der Gemeinsinn ginge dabei verloren.
Tatsächlich aber setzen sich die Bundesbürger in verschiedener Form für gute Zwecke ein – unter anderem durch Spenden. Zuletzt haben die Deutschen je nach Schätzung zwischen 3 und 6 Milliarden Euro jährlich aufgebracht, vor allem für soziale und kulturelle Einrichtungen sowie für Bildungszwecke und internationale Hilfsorganisationen. Dem Spendenmonitor des Meinungsforschungsinstituts Emnid zufolge ist die Bereitschaft, anderen finanziell zu helfen, hierzulande in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen (Grafik):
Die durchschnittliche Spendensumme je Bundesbürger ab 14 Jahren kletterte von 78 Euro im Jahr 1995 auf 102 Euro im Jahr 2008.
Anno 2006 waren die Deutschen am großzügigsten und ließen rechnerisch sogar 119 Euro springen.
Im langjährigen Mittel zücken rund 40 Prozent der Jugendlichen und Erwachsenen ihr Portemonnaie, wenn es um das Gemeinwohl geht. Melden die Medien eine Katastrophe wie das Elbhochwasser von 2002 oder die Tsunamiflut in Südostasien Ende 2004, sind es sogar noch deutlich mehr.
Einen „typischen“ Wohltäter gibt es zwar nicht – generell spenden alle Bevölkerungsschichten. Allerdings beweisen mehr Frauen als Männer finanzielle Hilfsbereitschaft und mehr Ältere als Jüngere. Von den verschiedenen Berufsgruppen sind Beamte und Selbstständige am freigiebigsten. Wenig überraschend ist, dass Haushalte mit einem Einkommen von mehr als 4.000 Euro monatlich besonders großzügig geben – von ihnen spenden 81 Prozent regelmäßig.
Für die Hilfsbereitschaft sind aber nicht nur die finanziellen Möglichkeiten ausschlaggebend, sondern auch individuelle Werte und Grundhaltungen. So zählt nur jeder dritte konfessionslose Bundesbürger zu den Spendern, aber zwei Drittel der Christen. Von denjenigen, die ihre Bindung an die Kirche als besonders eng beschreiben, geben sogar über 80 Prozent freiwillig etwas ab.
Wer nicht nur ein großes Herz, sondern auch ein dickeres Finanzpolster hat, der kann sein bürgerschaftliches Engagement ebenfalls über eine Stiftung einbringen. Diese Möglichkeit nutzen immer mehr Menschen:
Die Zahl der neu gegründeten Stiftungen erhöhte sich von 181 im Jahr 1990 kontinuierlich auf den vorläufigen Rekord von 1.134 im Jahr 2007.
Anfang 2009 existierten nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen insgesamt 16.406 Stiftungen bürgerlichen Rechts mit einem Gesamtvermögen von mehr als 100 Milliarden Euro.
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Allerdings verfügt die Mehrzahl der Stiftungen nur über eher begrenzte Mittel. Ein Fünftel ist mit maximal 50.000 Euro ausgestattet; etwa die Hälfte verwaltet ein Kapital zwischen 50.000 und 500.000 Euro; und lediglich rund ein Fünftel ist in der Lage, mit einem Vermögen von mehr als 2,5 Millionen Euro wohltätige Zwecke zu verfolgen.
Besorgniserregend ist, dass die Finanzkrise auch vor den gemeinnützigen Organisationen nicht haltmacht. Vor allem die großen Unternehmensstiftungen bekommen die wirtschaftliche Talfahrt zu spüren – die ihnen zufließenden Firmendividenden sinken. Darüber hinaus werfen die Stiftungsvermögen weniger Zinsen ab. Infolgedessen ist das Vermögen der fünf größten Stiftungen in Deutschland seit dem vergangenen Jahr um 7 Prozent auf nunmehr rund 15 Milliarden Euro geschrumpft.
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iwd - Nr. 38 vom 17. September 2009
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