Der kranke Mann war einmal
Der Arbeitsmarkt hat sich in Deutschland zuletzt weit weniger dramatisch entwickelt als in anderen Ländern. So sind in Irland, Spanien, den USA oder in Großbritannien der Krise deutlich mehr Arbeitsplätze zum Opfer gefallen als hierzulande – obwohl die Wirtschaftsleistung andernorts weniger stark eingebrochen ist als zwischen Flensburg und Ravensburg.
Es ist gerade erst acht Jahre her, da galt Deutschland mit Blick auf die Arbeitsmarktsituation als der kranke Mann Europas – und das gleich in zweifacher Hinsicht:
Jobs. Im Jahr 2002 waren in der Bundesrepublik nur 65 Prozent der 15- bis 65-Jährigen erwerbstätig. Dänemark, Schweden, die Niederlande, aber auch Portugal, Großbritannien und die USA glänzten demgegenüber mit Erwerbstätigenquoten von mehr als 70 Prozent.
Arbeitslosigkeit. Die deutsche Arbeitslosenquote, schon 2002 eine der höchsten der industrialisierten Welt, stieg in den folgenden Jahren weiter an. Frankreich, Italien, Spanien und Griechenland – Länder, die traditionell eine hohe Arbeitslosigkeit aufwiesen – bauten sie dagegen ab.
Seit der Umsetzung der Agenda 2010 in den Jahren 2003 bis 2005 hat sich das Bild hierzulande jedoch deutlich gewandelt:
- Die Erwerbstätigenquote kletterte auch in Deutschland im Jahr 2008 über die 70-Prozent-Marke.
- Die deutsche Arbeitslosenquote sank im Jahr 2008 nahezu auf den EU-Durchschnitt von 7,0 Prozent.
Welche Arbeitsmarktfortschritte die Bundesrepublik erzielen konnte, hat der jüngste Abschwung besonders deutlich gemacht. Dabei wurden die deutschen Unternehmen von der Krise keineswegs verschont. In den vergangenen beiden Jahren nahm die Wirtschaftsleistung im schlechtesten Quartal um 5,2 Prozent ab – mehr als zum Beispiel in Frankreich (minus 3,0 Prozent) oder den USA (minus 3,7 Prozent). Trotzdem reduzierte sich die Zahl der Erwerbstätigen längst nicht so dramatisch wie anderswo (Grafik):
In den USA gingen in den vergangenen beiden Jahren 5,5 Prozent der Jobs verloren – in Deutschland nur 0,2 Prozent.
In Spanien entwickelte sich die Wirtschaft zuletzt genauso schlecht wie in Deutschland. Dennoch brach die Zahl der Erwerbstätigen geradezu ein. Auf der Iberischen Halbinsel verschwanden 1,8 Millionen oder 8,9 Prozent der Jobs.
Glimpflich davon kamen bislang Österreich, die Schweiz und die Niederlande. In diesen Ländern legte die Erwerbstätigkeit in den vergangenen 24 Monaten sogar noch zu. Dazu haben unter anderem staatliche Programme beigetragen, die ähnlich wie in der Bundesrepublik auf Kurzarbeit setzen.
Punkten konnten die Deutschen auch bei der Entwicklung der Arbeitslosigkeit:
Deutschland ist das einzige OECD-Land, in dem die Arbeitslosenquote in den vergangenen zwei Jahren gesunken ist.
Themen
In Dänemark und den USA hat sie sich dagegen mehr als verdoppelt. Aktuell liegt die Quote hierzulande mit 7,5 Prozent sogar unter derjenigen in den einstigen Vorzeigeländern Irland (13 Prozent), USA (10 Prozent) und Großbritannien (7,8 Prozent).
Vier Gründe sind für die gute deutsche Arbeitsmarkt-performance maßgebend:
- Deutschland hat in den Jahren 2006 bis 2008 – beflügelt durch die Arbeitsmarktreformen – den Beschäftigungsaufschwung erlebt, den andere Länder schon früher hatten. Auch Langzeitarbeitslose fanden zurück in den Beruf.
- Die größere Arbeitsmarkt-flexibilität – Stichwort: Deregulierung der Zeitarbeit – hat dafür gesorgt, dass im Aufschwung schneller Arbeitskräfte eingestellt wurden.
- Maßnahmen wie die Kurzarbeit haben dazu beigetragen, den Anstieg der Arbeitslosigkeit in der Krise zu begrenzen.
- Deutsche Unternehmen halten in starkem Maße an Beschäftigten fest, die sie für das gegenwärtige Produktionsniveau nicht unbedingt bräuchten. Denn sie wollen wegen der demografischen Entwicklung ihre Fachkräftebasis langfristig sichern.
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Argumente zu Unternehmensfragen 3. November 2011
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iwd 29. Juli 2010
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Wer hat beim Einkommen die Nase vorn: Beamten- oder Arbeitnehmerhaushalte? Oder: Welche Bevölkerungsschichten schultern die höchsten Einkommenssteuer- und Beitragslasten? Um solche Fragen zu beantworten, braucht man Daten, die über die Arbeits- und Transfereinkommen der Haushalte und deren Zahlungen an den Fiskus beziehungsweise die Sozialversicherungen sehr detailliert Auskunft geben. mehr
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iwd - Nr. 14 vom 8. April 2010
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