Langer Weg aus tiefem Tal
Gut die Hälfte der von der jüngsten Rezession betroffenen Unternehmen in Deutschland wird 2010 und 2011 wirtschaftlich das Vorkrisenniveau noch nicht wieder erreichen. Die Firmen reagieren auf die anhaltenden Turbulenzen vor allem damit, dass sie Personal abbauen und auf Modernisierungsinvestitionen verzichten. An der Aus- und Weiterbildung sowie der Forschung und Entwicklung wird dagegen meist nicht gespart.
Weitere Aussichten: recht freundlich. So lässt sich die aktuelle Frühjahrsumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zusammenfassen, wonach 47 Prozent der Unternehmen für 2010 eine höhere Produktion als im Krisenjahr 2009 erwarten und nur 18 Prozent mit schlechteren Geschäften rechnen (vgl. iwd 20/2010).
Allerdings hellt sich die Lage nicht für alle Unternehmen gleichermaßen auf – wie die Ergebnisse der IW-Umfrage ebenfalls deutlich machen. Große Unterschiede ergeben sich bereits daraus, dass längst nicht alle Betriebe von der Wirtschaftskrise betroffen waren (Grafik). Insgesamt bekamen 59 Prozent der befragten Unternehmen die Rezession zu spüren. Doch während 75 Prozent der Investitionsgüterhersteller unter dem Konjunktureinbruch zu leiden hatten, gilt dies nur für 54 Prozent der Dienstleister und lediglich für 42 Prozent der Baufirmen.
Diejenigen Unternehmen, die in Turbulenzen gerieten, brauchen allerdings offenbar noch länger, um wieder an gute Zeiten anknüpfen zu können:
Eine Mehrheit von 53 Prozent der krisengeplagten Firmen geht nicht davon aus, dass ihr Geschäftsvolumen in diesem oder im kommenden Jahr wieder das Niveau vor der Rezession erreicht.
Als Maßstab dafür, wann sie die Krise als überwunden betrachten könnten, nennen dabei 35 Prozent der betroffenen Unternehmen ihr Ergebnis des Jahres 2007 – für 38 Prozent ist 2008 der Fixpunkt.
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Besonders langsam vollzieht sich der Aufschwung in den Baubetrieben und den Investitionsgüterfirmen, von denen 62 bzw. 60 Prozent das Vorkrisenniveau voraussichtlich weder 2010 noch 2011 erreichen werden. Im Dienstleistungssektor äußern nur 46 Prozent der Unternehmen diese Befürchtung.
Die hinsichtlich einer kurzfristigen Erholung pessimistischen Betriebe gehen wiederum recht unterschiedliche Wege, um ihre Kapazitäten an die schwierige Lage anzupassen. Die meisten halten allerdings einen Personalabbau für unvermeidlich:
Von denjenigen Unternehmen, die 2010 und 2011 die Krise noch nicht überwinden können, planen 70 Prozent, ihre Mitarbeiterzahl zu reduzieren.
Dies gilt insbesondere für große Firmen, von denen 76 Prozent aufgrund anhaltender Probleme Stellen streichen müssen, sowie für Unternehmen des Investitionsgüterbereichs (79 Prozent).
Mit 66 Prozent verzichten fast ebenso viele Betriebe, denen das Comeback schwerfällt, vorerst auf Investitionen zur Modernisierung ihrer Anlagen oder Geschäftsausstattung. Vor allem kleine und mittelgroße Firmen – das sind jene mit bis zu 500 Mitarbeitern – (70 Prozent) sowie Dienstleistungsunternehmen (72 Prozent) gehen diesen Weg.
Bemerkenswert ist, dass die krisengeschüttelten Unternehmen meist auf Sparvorhaben verzichten, die längerfristig ihre Wettbewerbsfähigkeit besonders stark beeinträchtigen könnten:
So setzen nur jeweils 22 Prozent der Betriebe, die noch mit den Folgen der Rezession kämpfen, den Rotstift bei der Weiterbildung bzw. den Ausbildungsplätzen an.
Am größten ist der Anteil der Firmen, die in nächster Zeit weniger Lehrstellen anbieten werden, bei den kleinen und mittleren Firmen (25 Prozent) sowie den Betrieben des Bau- und Investitionsgütersektors (jeweils 27 Prozent).
Noch seltener tasten die Firmen, die noch länger auf den Aufschwung warten müssen, ihr Forschungs- und Entwicklungsbudget an – lediglich 16 Prozent wollen hier sparen. Offensichtlich soll kein Zukunftspotenzial verspielt werden. Allerdings können manche Betriebe hier auch einfach deshalb keine Abstriche machen, weil sie ohnehin kaum selbst an neuen Produktideen tüfteln.
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iwd - Nr. 21 vom 27. Mai 2010
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