Personenverkehr

Nachfrage stagniert

Das eigene Gefährt ist immer noch der Deutschen liebstes Verkehrsmittel. Mehr als 80 Prozent des Personenverkehrs entfielen 2008 auf Pkws und motorisierte Zweiräder. Doch seit 2004 schrumpfen die Zahlen der Nutzer etwas. Stark aufgeholt hat dagegen die Deutsche Bahn. Die meisten ihrer Passagiere nutzen den Schienennahverkehr.



Im Jahr 2008 waren mehr als 66 Milliarden Menschen in Deutschland mit irgendeinem Verkehrsmittel unterwegs, sei es per Auto, Bus, Bahn oder Flugzeug. Allerdings wächst der Personenverkehr kaum noch – denn schon seit längerem hat sich die Zahl der transportierten Bundesbürger bei diesem Wert eingependelt.

Dieser Trend zeigt sich besonders beim sogenannten motorisierten Individualverkehr – also bei Menschen, die ihre Wege mit ihrem Pkw, Motorrad oder Moped zurücklegen. Seit dem Jahr 2004 sind diese Zahlen sogar leicht rückläufig, auch wenn es noch immer 54,6 Milliarden Personen sind, die sich aufs eigene Fahrzeug verlassen. Der Nutznießer dieser Entwicklung ist der öffentliche Verkehr.

Seit 2004 gewinnen Bus und Bahn Marktanteile von Auto und Moped zurück. Das gab es seit der Einführung der Verkehrsstatistik im Jahr 1950 nur zweimal – während der beiden Ölkrisen in den 1970er Jahren.

Die Zahl der Menschen, die mit Massentransportmitteln unterwegs sind, steigt bereits seit Mitte der 1990er Jahre deutlich (Grafik). Der Löwenanteil entfällt auf den sogenannten öffentlichen Straßenpersonenverkehr, also auf Bus, U- und S-Bahn. In dieser Kategorie wurden zuletzt 9,1 Milliarden Fahrgäste gezählt – ein Plus von mehr als 15 Prozent gegenüber dem Jahr 1994. Damit kommt der öffentliche Straßenpersonenverkehr auf einen Marktanteil von fast 14 Prozent.

Die größte Wachstumsrate im öffentlichen Personenverkehr legte der Luftverkehr mit einem Passagier-Zuwachs von 57 Prozent hin. Allerdings bleiben die Flugzeugnutzer mit einem Anteil von 0,2 Prozent an allen transportierten Personen eher eine Randerscheinung.

Ein weiteres wichtiges Transportmittel ist die Eisenbahn. Die Bahnreform von 1994 hat ein paar einschneidende Veränderungen mit sich gebracht. Die drei wichtigsten Reformpunkte waren die Überführung der Bundesbahn und der Reichsbahn in eine private Aktiengesellschaft – die aber zu 100 Prozent dem Bund gehört –, die Übertragung der Zuständigkeit und der finanziellen Verantwortung für den Schienen-Personennahverkehr an die Bundesländer sowie die Öffnung des Schienennetzes für private Eisenbahnunternehmen. Die beiden letzten Punkte waren eng mit einander verwoben, da die Bundesländer jetzt Nahverkehrsleistungen im Rahmen einer wettbewerblichen Ausschreibung einkaufen können und private Anbieter auch fast nur im Nahverkehr aktiv sind.

Die Bahnreform von 1994 ist in der Öffentlichkeit alles an-dere als unumstritten. So manch einer wünscht sich die alte Beamtenbahn zurück, wenn es zu Problemen kommt. Obwohl die Deutsche Bahn in der jüngeren Vergangenheit oft am Pranger stand – sie transportiert heute viel mehr Menschen als zu Zeiten der Behördenbahn:
Im Jahr 1994 beförderte die Bahn rechnerisch rund 1,51 Milliarden Menschen. Bis zum Jahr 2008 stieg die Zahl der transportierten Personen auf 2,35 Milliarden – was einem Plus von 56 Prozent entspricht.

Auch im Vergleich mit früheren Jahren ist das ein absoluter Spitzenwert. So lagen die kombinierten Passagierzahlen von Bundesbahn und Reichsbahn 1980 bei 1,78 Milliarden Personen.

Den größten Zuwachs bei der Bahnnutzung verbuchte der nach 1994 völlig neu organisierte Nahverkehr. Dieser zählte 2008 fast 63 Prozent mehr Fahrgäste. Heute fahren damit fast 95 Prozent der Bahnkunden auf kürzeren Strecken.

Einen wesentlichen Anteil daran haben die neu zugelassenen privaten Eisenbahnen, die im öffentlich bestellten Nahverkehr im vergangenen Jahr rund 20 Prozent der von den Bundesländern eingekauften Zugkilometer fuhren. Allerdings ändern diese Erfolgszahlen wenig daran, dass die Schiene mit einem Anteil am Verkehrsaufkommen von 3,6 Prozent eher eine Nebenrolle spielt. Zudem sind die Folgen des Krisenjahres 2009 noch nicht erfasst.



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iwd - Nr. 33 vom 19. August 2010

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