Im Norden und Osten höher
Die städtischen Kindergartengebühren in Deutschland klaffen weit auseinander. Seit 2008 sind die durchschnittlichen Elternbeiträge allerdings deutlich gesunken. Und mittlerweile gibt es unter den 100 bevölkerungsreichsten Städten nicht nur mehr eine einzige, die keine Kindergartengebühren verlangt, sondern neun.
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Wenn es um die Betreuung von Kindergartenkindern geht, dreht sich die öffentliche Debatte häufig um den Ausbau der Kapazitäten und die Qualität der Betreuung. Ein Aspekt bleibt dabei meist außen vor – nämlich die Höhe der Kindergartengebühren.
Dass jede Kommune die Preise für einen Krippen- und Kindergartenplatz in Eigenregie festlegen kann und manche – etwa Iserlohn – nicht einmal die Berechnungsformeln veröffentlichen, macht die Gebührenübersicht kompliziert. Zwar gibt es eine Informationspflicht der öffentlichen Verwaltung gegenüber den Bürgern, doch nur wenige Städte bieten die Möglichkeit, sich einen persönlichen Überblick zu verschaffen. In Jena zum Beispiel kann man sich per Onlinerechner eine Kindergartengebührenvorschau ermitteln lassen.
In diesem Gebührenlabyrinth auch überregional mehr Transparenz zu schaffen, ist Ziel des Kindergartenmonitors, den die Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) Consult nunmehr zum zweiten Mal erstellt hat. Wie schon im Jahr 2008 wurden dafür die Elternbeiträge in den kommunalen Kindergärten der 100 größten deutschen Städte für die jeweilige Mindestbetreuungszeit – in der Regel sind das vier bis fünf Stunden täglich – verglichen. Die wichtigsten Ergebnisse:
Erstens.
In Deutschland herrscht nach wie vor ein großes Preisgefälle (Grafik). So ist in neun Städten der Kindergartenbesuch für Drei- bis Sechsjährige kostenlos: in Düsseldorf, Hanau, Heilbronn, Kaiserslautern, Koblenz, Ludwigshafen, Mainz, Salzgitter und in Trier. Anderswo geht die Betreuung dagegen zum Teil ordentlich ins Geld: In Potsdam fallen für gut verdienende Eltern mit zwei Kindern im Vorschulalter jährliche Gebühren in Höhe von 3.696 Euro an. Sie sind damit zweieinhalb Mal so hoch wie im Städte-Durchschnitt, der bei 1.468 Euro für diese Modellfamilie liegt.
Dass die Gebührenübersicht so intransparent ist, liegt an den Berechnungsmodalitäten: Viele Kommunen koppeln die Berechnung der Kindergartengebühren an individuelle Faktoren – zum Beispiel an das Elterneinkommen. Dahinter steht die Idee, besserverdienende Väter und Mütter stärker zu belasten als schlechterverdienende. Fast überall wird auch für Geschwisterkinder eine Ermäßigung gewährt.
Große Preisgefälle gibt es zudem in den untersuchten Städten zwischen Nord und Süd sowie zwischen Ost und West. So sind die Kindergartengebühren in den neuen Bundesländern im Schnitt höher als in den alten. Das hängt hauptsächlich damit zusammen, dass es im Osten weniger Gebührenfreistellungen für einzelne Kindergartenjahre und auch geringer ausfallende Ermäßigungen für Geschwisterkinder gibt als im Westen. Auch Familien, die im Norden leben, geben vergleichsweise mehr aus als in München oder Nürnberg:
Eine Familie mit 80.000 Euro Jahreseinkommen zahlt in Norddeutschland im Schnitt für einen Kindergartenplatz rund 1.500 Euro im Jahr – das sind rund doppelt so hohe Gebühren wie im Süden.
Hierfür gibt es zwei Gründe: So werden in den südlichen Bundesländern häufiger Gebühren unabhängig vom Einkommen erhoben als im Norden, wo die Kommunen die Kindergartentarife häufiger an den elterlichen Verdienst koppeln. Zudem gewähren die norddeutschen Städte seltener Gebührenfreistellungen für einzelne Kindergartenjahre.
Zweitens.
Gute Nachrichten für Eltern: Trotz Wirtschaftskrise sind die Kindergartengebühren im Vergleich zur 2008er-Erhebung im Durchschnitt gesunken. Zwei Beispiele: Für ein gut verdienendes Paar mit zwei Kindern im Kindergartenalter sanken die Gebühren in den vergangenen zwei Jahren um 12 Prozent; bei Eltern mit einem mittleren Einkommen reduzierten sich die Beiträge im Schnitt sogar um 16 Prozent.
Zwar mussten einige Städte wegen ihrer Schuldenlast jüngst auch die Elternbeiträge für die Kleinen erhöhen, doch unterm Strich gibt es einen generellen Trend zu Gebührenfreistellungen.
Im Jahr 2008 war das letzte Kindergartenjahr vor der Schule erst in fünf Bundesländern kostenlos; 2010 war dies bereits in neun Ländern so.
Darüber hinaus bietet Rheinland-Pfalz als bisher einziges Bundesland alle Kindergartenjahre kostenfrei an, seit August sogar schon für Kinder ab dem zweiten Lebensjahr.
*) Weitere Informationen unter:
www.insm-kindergartenmonitor.de
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iwd - Nr. 31 vom 5. August 2010
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