Unterhaltungselektronik

Hauptsächlich aus Fernost

Am 3. September wird in Berlin bereits zum 50. Mal die Internationale Funkausstellung (IFA) eröffnet. Die Aussteller präsentieren in diesem Jahr so viele Produktneuheiten wie nie zuvor. Die Entwicklung der Funkausstellung zur weltweiten Leitmesse für Unterhaltungselektronik ist umso beachtlicher, da die deutschen Hersteller auf dem Markt nur noch eine Nebenrolle spielen.

Angefangen vom ersten Autoradio im Jahr 1932 über die Compact Disc 1979 bis zum Flachbildschirm mit 3,81 Metern Bildschirmdiagonale 2008 – auf der Funkausstellung bekam die breite Öffentlichkeit schon so manche Weltneuheit präsentiert. Die Messe hat nicht nur eine lange Tradition – die erste IFA fand 1924 statt –, mittlerweile ist sie auch als weltweit führende Adresse im Bereich der Unterhaltungselektronik etabliert.

Trotz Wirtschaftskrise tummelten sich im vergangenen Jahr 1.164 Aussteller aus 46 Ländern auf 121.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche.

Die 224.235 Besucher – etwa die Hälfte davon Fachpublikum – gaben 2009 Bestellungen im Wert von mehr als 3 Milliarden Euro auf. Für 2010 erwarten die Veranstalter sogar sowohl bei den Publikumszahlen als auch bei den Ordern zweistellige Wachstumsraten. Einen Rekord gibt es auf jeden Fall bereits jetzt zu melden: Mit etwa 350 Produktneuheiten werden auf der dies­jährigen IFA so viele Innovationen wie noch nie vorgestellt. Die Trends kommen aus den Bereichen 3D-TV, Verschmelzung von TV und Internet sowie der mobilen Mediennutzung.

Es erscheint zunächst nicht weiter überraschend, dass man das weltgrößte Schaufenster der Unterhaltungselektronik hierzulande findet. Schließlich ist Deutschland mit seinen 23 großen Standorten und über 2,7 Millionen Quadratmetern Hallenfläche ein renommiertes Pflaster für internationale Messen (vgl. iwd 42/2008). So befindet sich die IFA in guter Gesellschaft mit der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frank­furt sowie der Hannover Messe (HM) als weltweit größter Industriemesse.

Während jedoch der Fahrzeugbau sowie der Maschinen- und Anlagenbau tragende Säulen der hiesigen Industrie und mithin des deutschen Geschäftsmodells sind, hat die deutsche Unterhaltungs­elektronik ordentlich zu kämpfen. Noch zu Beginn der 1980er Jahre beschäftigten allein die westdeutschen Traditionsfirmen wie Grundig, Telefunken und Nordmende rund 120.000 Mitarbeiter. Nicht zuletzt infolge des Wettbewerbs- und Kostendrucks aus Fernost mussten diese deutschen Hersteller jedoch aufgeben – mit der Konsequenz, dass die Branche 2009 in bundesweit 52 Betrieben nur noch 13.644 Mitarbeiter beschäftigte.

Die Nachfrage nach Unterhaltungs­elektronik ist in Deutschland jedoch stetig gewachsen und zeigte sich zuletzt auch weitgehend unbeeindruckt von den Folgen der Wirtschaftskrise – während es in anderen europäischen Ländern teilweise stark abwärtsging. Der Branchenverband BITKOM erwartet hierzulande für 2010 ein Umsatzplus von 2,5 Prozent, der EU-Markt schrumpft hingegen um 8,3 Prozent.

Mit einem europäischen Marktanteil von knapp 23 Prozent baut Deutschland folglich seine Spitzenposition als europäischer Absatzmarkt für Unterhaltungselektronik nochmals aus – sehr zur Freude der Hersteller aus Fernost.

Hauptlieferant für die deutschen Kunden ist China (Grafik). Allein zwischen 2002 und 2008 stieg der Wert der aus dem Reich der Mitte importierten Unterhaltungselektronik um mehr als das Dreifache von knapp 1,7 Milliarden auf rund 5,4 Milliarden Euro.



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iwd - Nr. 35 vom 1. September 2010

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