Beschäftigung

Aktive Generation 50plus

Weil ältere Menschen angeblich große Schwierigkeiten haben, ihren Job zu behalten oder gar eine neue Stelle zu finden, lehnen Kritiker den ab 2012 vorgesehenen Einstieg in die Rente mit 67 Jahren ab. Die Statistik zeigt allerdings ein anderes Bild: Der Arbeitsmarkt für die reifen Semester wird seit Jahren immer besser.

Im Jahr 1999 war es noch durchaus üblich, sich lange vor dem regulären Rentenalter aus dem Berufsleben zurückzuziehen. Lediglich 56 Prozent der 50- bis 64-Jährigen waren damals überhaupt an einer Beschäftigung interessiert. Weil 8 Prozent erwerbslos waren, gingen tatsächlich nur 48 Prozent dieser Altersgruppe einer Tätigkeit als Selbstständige, Beamte oder abhängig Beschäftigte nach. Einen sozialversicherungspflichtigen Job hatten sogar nur knapp 32 Prozent.

Heute sieht die Arbeitswelt ganz anders aus. Bereits in den 1990er Jahren hat der Gesetzgeber den vorzeitigen Ruhestand durch erhöhte Abschläge und eine Anhebung des Rentenzugangsalters für bestimmte Personengruppen weniger attraktiv gemacht. Später wurden peu à peu weitere Frühverrentungspfade gesperrt. So erschweren die Hartz-Gesetze den Weg, über eine lange Phase der Arbeitslosigkeit in die Rente hinüberzugleiten: Die maximale Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes ist gekürzt worden und statt der Arbeitslosenhilfe gibt es nur noch das weniger attraktive Arbeitslosengeld II.

Die Reformen haben die Bereitschaft der Älteren erhöht, auf dem Arbeitsmarkt aktiv zu bleiben. Im vergangenen Jahr wollten schon 70 Prozent der über 50-Jährigen noch arbeiten – und ihr Angebot traf durchaus auf eine entsprechende Nachfrage: Insgesamt gingen 10,2 Millionen 50- bis 64-Jährige einer Erwerbsarbeit nach – das waren rund 2,4 Millionen mehr als vor zehn Jahren. Damit ist auch die Quote der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in dieser Altersgruppe seit 1999 um 12 Punkte auf 44 Prozent gestiegen.


Mehr zum Thema

  • IW-Nachrichten

    Ältere Arbeitnehmer: Ein Erfolgsmodell

    Reformen, die in den vergangenen Jahren eingeführt wurden, um den frühzeitigen Eintritt in den Ruhestand zu erschweren, haben sich für den Arbeitsmarkt ausgezahlt: Heute sind erheblich mehr Ältere erwerbstätig als noch vor zehn Jahren. mehr

  • iwd

    Ältere Arbeitnehmer: Die Älteren sind dabei

    Innerhalb eines Jahrzehnts hat sich der einst unflexible deutsche Arbeitsmarkt zum europäischen Vorbild gemausert. Wesentlichen Anteil daran hatte und hat die verbesserte Integration von Älteren. mehr

  • IW-Nachrichten

    Rente mit 67: Wider den Dreisatz

    Die Logik ist zwingend: Wenn die Ruheständler immer älter werden und länger Rente beziehen, müssen immer mehr Rentner versorgt werden. Sollen aber weder die Beitragszahler belastet, noch das Versorgungsniveau zusätzlich gekürzt werden, müssen die Erwerbstätigen länger arbeiten und Beiträge zahlen. mehr

  • IW-Nachrichten

    Ältere Arbeitnehmer: Keine Auslaufmodelle

    Die Rente mit 67 wird wieder in Frage gestellt. Hauptstoßrichtung der Kritiker dieses Mal: Für ältere Beschäftigte seien gar nicht genug Beschäftigungsmöglichkeiten vorhanden. Es müssten sich also erst die Jobperspektiven der Generation 50pus verbessern, bevor über einen späteren Renteneintritt nachgedacht werden darf. Dabei wird übersehen, dass die Beschäftigung Älterer seit Jahren deutlich zunimmt. mehr

  • iwd

    Altersgerechtes Arbeiten: Frühverrentung war gestern

    Unternehmen in Deutschland müssen sich auf ältere Belegschaften einstellen. Die Deutsche Post AG und die Gewerkschaft ver.di haben darauf mit einem speziellen Tarifvertrag reagiert. mehr

iwd - Nr. 35 vom 1. September 2010

Publikationsicon mit PDF - iwd.jpg

Wöchentliche Analysen zu wirtschafts-, sozial- und bildungspolitischen Themen.

Bestellen

Weitere Artikel dieser Ausgabe

20. März 2012, Das Quiz zum demografischen Wandel

Das Quiz zum demografischen Wandel

Newsletter: iwd-Vorschau