Auch wenn das Thema Häuserpreise mit dem Ende der Wirtschafts- und Finanzkrise aus den Schlagzeilen verschwunden ist, müssen große Investoren – wie offene Immobilienfonds, Pensionsfonds oder Versicherungen – den Markt weiterhin genau beobachten. Denn die Preise für Wohn- und Büroimmobilien folgen meist einem ausgeprägten Zyklus. So steigt die Immobiliennachfrage im Aufschwung an, was die Preise nach oben treibt. Bauen und Verkaufen lohnen sich also wieder mehr. Doch bis die neuen Wohntürme und Bürokomplexe geplant und errichtet sind, kann sich die Wirtschaft erneut auf Talfahrt befinden – dann lässt das zusätzliche Angebot die Preise sinken.

Immobilienfonds

Das Problem: Ein solcher Preisrutsch kann unvermittelt drohen, wenn sich etwa nur die konjunkturellen Erwartungen ver­schlechtern. Um ihr Risiko ein­zudämmen, inves­tieren die Immobilienanleger deshalb zunehmend global (Grafik):

Die deutschen offenen Immobilienfonds investierten im Herbst 2009 gut 70 Prozent ihres Anlagevermögens im Ausland – dreieinhalb Jahre zuvor hatte der Auslandsanteil erst 57 Prozent betragen.

Angesichts der Tatsache, dass die Immobilienpreise in der Finanzkrise rund um den Globus in die Knie gingen, ist jedoch zweifelhaft, ob die Strategie der Risikostreuung aufgehen kann. Darauf deutet auch eine vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln durchgeführte Analyse für die zwei Immobiliensparten hin:

1. Büroimmobilien. Hier ist die Preisentwicklung in 19 europäischen Groß­städten von Anfang 2000 bis Mitte 2010 weitgehend parallel verlaufen. Maßgeblich hierfür ist die Globalisierung – über den Handel und die Kapitalmärkte wachsen die Volkswirtschaften zusammen. Demnach folgen auch die Immobilienmärkte den Konjunkturzyklen immer häufiger im Gleichschritt. Zu den Ausnahmen zählen lediglich Brüssel – aufgrund der besonders vielen Behörden ist der Büromarkt der Stadt weitgehend unabhängig von konjunkturellen Schwankungen – sowie in geringerem Maße Frankfurt am Main, Berlin und Hamburg.

2. Wohnimmobilien. Auch hier entwickeln sich die Preise in Europa weitgehend parallel, wenn auch nicht ganz so ausgeprägt. Lediglich Deutschland hat sich abgekoppelt. Entsprechend interessant ist der hiesige Markt für Investoren, was sich auch in der derzeit deutlich steigenden Nachfrage nach Wohngebäuden niederschlägt.

Hauptursache für die deutsche Sonderstellung ist die Form der Finanzierung – weil die eigenen vier Wände überwiegend mit festverzinslichen Darlehen realisiert werden, beeinflussen kurzfristige Zinsschwan­kungen den Häusermarkt kaum.

Kirill Pomogajko / Michael Voigtländer
Zur Synchronität der Immobilienzyklen – Eine Faktoranalyse
IW-Trends 1/2011

„Die wollen die Zitrone ausquetschen“
Interviews, 27. Oktober 2014

Lukas Siebenkotten und Michael Voigtländer auf handelsblatt.com „Die wollen die Zitrone ausquetschen“Arrow

Wohnen soll bezahlbar sein. Aber was heißt überhaupt bezahlbar? Gibt es das Recht auf eine Wohnung in der City? Und wie sinnvoll ist die Deckelung der Mieten? Darüber streiten sich IW-Immobilienökonom Michael Voigtländer und der Direktor des Deutschen Mieterbundes, Lukas Siebenkotten, auf handelsblatt.com. mehr

Wohnungsmarkt
IW-Nachrichten, 23. September 2014

Wohnungsmarkt Immer bremsen ist kontraproduktivArrow

Der Gesetzentwurf zur Mietpreisbremse sieht einige Ausnahmeregelungen vor. Diese stoßen allerdings nicht überall auf Zustimmung. Doch ohne die Ausnahmen droht Deutschland ein Investitionsrückgang auf dem Immobilienmarkt, der die ohnehin schon angespannte Lage in den Städten weiter verschlimmern würde. mehr

„Der soziale Wohnungsbau kann abgeschafft werden“
Interviews, 18. August 2014

Michael Voigtländer auf immowelt.de „Der soziale Wohnungsbau kann abgeschafft werden“Arrow

In Deutschland gibt es immer weniger Sozialwohnungen. Gleichzeitig steigen in vielen deutschen Städten die Mietpreise. Gerade Menschen, die mit niedrigen Löhnen auskommen müssen, haben es daher schwer, in Ballungszentren eine Wohnung zu finden. Michael Voigtländer, Leiter des Kompetenzfelds Immobilienökonomik im Institut der deutschen Wirtschaft Köln, plädiert im Interview mit dem Immobilienportal immowelt.de dennoch dafür, den sozialen Wohnungsbau in seiner jetzigen Form abzuschaffen. mehr