Kein Anlass für Entwarnung
Das Statistische Bundesamt hat einen europäischen Arbeitskosten-Vergleich veröffentlicht. Danach liegt Deutschland im Verarbeitenden Gewerbe – also dem Sektor, der sich vor allem dem internationalen Wettbewerb stellen muss – in der Spitzengruppe. Mit Kosten von 35,60 Euro je Stunde wird Deutschland nur von Belgien und Dänemark übertroffen. Von Lohndumping kann hierzulande also keine Rede sein.
Vergleichsweise niedrig ist dagegen in Deutschland die Quote der Lohnnebenkosten, die mit 32 Prozent um 4 Prozentpunkte unter dem EU-Durchschnitt liegt. Diese Zahl markiert jedoch nur die Spitze des Eisbergs und taugt nicht als Argument dafür, bei Reformen die Hände in den Schoß zu legen. Denn die vom Statistischen Bundesamt ausgewiesene Quote stellt nur dar, was der Arbeitgeber zusätzlich zum Jahresverdienst für die Sozialversicherung, die betriebliche Altersversorgung, die Aus- und Weiterbildung und sonstige Sozialaufwendungen zahlt.
Außen vor bleiben dabei Sozialkosten, die im Jahresverdienst enthalten sind. So muss der Arbeitgeber etwa seinen Mitarbeiter auch dann bezahlen, wenn er Urlaub nimmt. Dazu kommen in vielen Betrieben Lohnextras wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld. Bezogen auf das Entgelt für geleistete Arbeit ergibt sich so für die deutsche Industrie eine Zusatzkostenquote von rund 73 Prozent. In Euro je Stunde gerechnet ist dies der fünfthöchste Wert in der EU.
Das Statistische Bundesamt vergleicht überdies Äpfel mit Birnen. Die großen Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern erklären sich nämlich in erster Linie durch verschiedene Finanzierungsmodalitäten. So hat Dänemark eine niedrige Quote, weil dort die soziale Sicherung überwiegend aus der Staatskasse finanziert wird. Beim Quotenspitzenreiter Frankreich tragen dagegen die Arbeitgeber die Hauptlast.
Themen
Für die Mitarbeiter ist wichtig, was ihnen unter dem Strich von den Arbeitskosten bleibt. Hier liegt Deutschland nach OECD-Statistik bei einem durchschnittlich verdienenden Single auf einem unrühmlichen dritten Platz. Von den Arbeitskosten kommen mit 48 Prozent hierzulande weniger als die Hälfte als Nettolohn auf dem Konto des Mitarbeiters an – nur Belgien und Ungarn haben höhere Abzüge.
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Newsletter (in Englisch) 29. Dezember 2011
Hourly labor costs in manufacturing: Germany Still Tops Its Competitors
In 2010, average hourly labor costs in the West German industry amounted to 36.28 euro. This was 25 percent above the average of the countries compared excluding the new members of the EU and other emerging countries. mehr
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IW-Nachrichten 12. Dezember 2011
Arbeitskosten: Vieles ausgeblendet
Das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) sieht Deutschland bei den Arbeitskosten im Mittelfeld, andere Wettbewerber müssten mit viel höheren Lohnkosten zurechtkommen. Zudem hätten sich die Lohnstückkosten sehr günstig entwickelt. Beides hätte zu den wirtschaftlichen Ungleichgewichten im Euroraum beigetragen. Die Fakten sind für sich genommen zwar richtig, die Schlussfolgerung ist es aber nicht. mehr
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iwd 23. November 2011
Lohnentwicklung: Kosten killen Kaufkraft
Obwohl die Reallöhne im vergangenen Jahrzehnt gleich geblieben sind, mussten die Arbeitgeber für eine Stunde Arbeit deutlich mehr bezahlen. Wie passt das zusammen? mehr
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Newsletter (in Englisch) 22. November 2011
Labor Costs in Germany: Downs and Ups Take Turns
In 2010, the rise in total annual labor costs per full-time employee in the German industry more than compensated the drop due to the recession the year before. mehr
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iwd 13. Oktober 2011
Arbeitskosten: Von wegen Lohndumping
Die westdeutsche Industrie muss nach wie vor um 25 Prozent höhere Arbeitskosten schultern als ihre etablierten Konkurrenten. Der Vorwurf, Deutschland betreibe Lohndumping, um sich auf den internationalen Märkten einen Vorteil zu verschaffen, geht allein schon deshalb ins Leere. mehr

