Fairer Wettbewerb statt Nachfragemonopol
Für patentgeschützte Medikamente müssen Pharma-Unternehmen in Zukunft Preisrabatte mit den gesetzlichen Krankenkassen (GKV) aushandeln. Doch echten Wettbewerb auf dem Arzneimittelmarkt bringt das nicht, solange AOK, Barmer und Co. unter dem Dach des GKV-Spitzenverbands auftreten.
Der Gesetzesentwurf der Bundesregierung sieht vor, dass Pharma-Unternehmen binnen eines Jahres nach Einführung eines innovativen Medikaments mit dem Spitzenverband der Krankenkassen einen Herstellerrabatt aushandeln müssen. Sonst entscheidet eine zentrale Schiedsstelle über den Preis. Eine Verhandlungslösung ist zwar grundsätzlich der richtige Weg, um eine preisgünstige und hochqualitative Arzneimittelversorgung sicherzustellen. Doch auf beiden Seiten des Verhandlungstisches müssen dafür gleich starke Partner sitzen.
Themen
Dem einzelnen Pharma-Unternehmen sitzen aber nicht die Kassen selbst, sondern ein großer Verband als alleiniger Vertreter gegenüber. Während Unternehmen und auch einzelne Kassen dem Kartellrecht unterliegen, nimmt der Gesetzgeber den GKV-Spitzenverband vom Wettbewerbsrecht aus und sichert ihm seine Monopolstellung. Damit kann er zwar die Kosten der Arzneimittelversorgung möglicherweise tiefer drücken als einzelne Kassen. Doch darf der Preis nicht so sehr sinken, dass sich die Markteinführung des neuen Medikaments für die Pharma-Unternehmen nicht mehr lohnt. Denn sonst drohen Qualitätseinbußen in der Arzneimittelversorgung.
Statement
Download | PDF
-
Interviews 16. April 2012
Michael Hüther im Deutschlandfunk: Krankenkassen-Überschüsse sollten nicht im Fonds verbleiben
Neun Milliarden Euro haben die Krankenkassen auf der hohen Kante. Hier fehle ein Mechanismus, der dafür sorgt, dass Überschüsse an die Beitragszahler zurückgehen, sagt Michael Hüther. Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln hält eine analoge Regelung zur Rentenversicherung für klug. mehr
-
iwd 9. Februar 2012
Krankenstand: In guten wie in schlechten Zeiten
Seit dem historischen Tief im Jahr 2006 ist der Krankenstand ununterbrochen gestiegen. Das zeigt vor allem eines: Egal, ob die Konjunktur brummt oder lahmt – die wirtschaftliche Lage hat offenbar keinen Einfluss darauf, ob sich Beschäftigte krankschreiben lassen oder nicht. mehr
-
IW-Nachrichten 6. Februar 2012
Arzneimittelmarkt: Vertraulichkeit ist gefragt
Seit der Neuordnung des Arzneimittelmarktes müssen sich die Hersteller patentgeschützter Medikamente mit den Vertretern der Gesetzlichen Krankenversicherung auf den Preis einigen. Das bringt allerdings nur dann die erhofften Einsparungen, wenn die Verhandlungsergebnisse vertraulich behandelt werden. mehr
-
Argumente zu Unternehmensfragen 1. Februar 2012
Krankenstand 2011
Seit dem Tiefstand im Jahr 2006 steigt der Krankenstand kontinuierlich an. Rund ein Viertel aller Ausfalltage werden inzwischen – auch aufgrund zunehmend älterer Mitarbeiter – durch Muskel- und Skeletterkrankungen verursacht. Aber auch psychische Erkrankungen nehmen zu. mehr
-
IW-Nachrichten 13. Oktober 2011
Arzneimittel: Zwangsrabatt ist nicht mehr zeitgemäß
Seit gut einem Jahr müssen die Hersteller innovativer Medikamente den gesetzlichen Krankenkassen einen höheren Rabatt auf ihre Produkte gewähren. Gerechtfertigt ist dieser Abschlag jedoch nicht mehr. mehr
IW-Nachrichten - 9. Juli 2010
Kommentare zu aktuellen Ereignissen aus Politik und Wirtschaft.

