Kreditvergabe

Kein Grund zur Panik

Rund 55 Prozent aller Kredite in Deutschland werden für immobilienwirtschaftliche Zwecke vergeben. Die Darlehen der Wohnungsunternehmen belaufen sich auf etwa 180 Milliarden Euro, die der Unternehmen im Gewerbeimmobilienbereich auf rund 170 Milliarden Euro. Vor diesem Hintergrund ist es nachvollziehbar, dass sich die Sorgen über eine rückläufige Kreditvergabe der Banken im Zuge der Finanzmarktkrise häufen. Schließlich drohen bei gekündigten oder nicht mehr verlängerten Krediten Notverkäufe.

Tatsächlich ist die Kreditvergabepraxis in Deutschland rauer geworden. Wie die Ergebnisse des Bank Lending Surveys – einer regelmäßigen Umfrage der Bundesbank unter den Kreditinstituten – zeigen, haben die Banken insbesondere seit dem 4. Quartal 2008 ihre Kreditvergaberichtlinien verschärft (Schaubild). Dies bedeutet insbesondere, dass Kreditanträge strenger geprüft und mehr Sicherheiten gefordert werden. Der stärkste Anstieg der Standards ist bei großen Unternehmen zu finden, zu denen auch Teile der Immobilienwirtschaft zählen. Wie die Ergebnisse jedoch auch zeigen, haben sich die Standards für Wohnungsbaukredite kaum verändert.

Selbst nach der Insolvenz von Lehman Brothers und der stetigen Verschlimmerung der Lage des US-Häusermarktes haben die Banken die Richtlinien für die Vergabe von privaten Wohnungsbaukrediten nicht angepasst, was darauf hindeutet, dass die Banken den Markt als sehr stabil ansehen. Hiervon profitieren auch die großen Wohnungsunternehmen. Unterlegt wird diese Einschätzung durch die neuesten Zahlen zum Kreditvolumen der Wohnungsunternehmen. Entgegen dem Trend wurde der Kreditbestand im Vergleich zum Vorquartal um 8,6 Prozent gesteigert. Im Dienstleistungssektor insgesamt sank dagegen der Kreditbestand um 2 Prozent.

Anders sieht es hingegen bei Unternehmen aus dem Bereich der Gewerbeimmobilien aus. Hier sank der Kreditbestand im Vergleich zum Vorquartal um 11,7 Prozent. Auch im 4. Quartal 2008 war der Kreditbestand bereits rückläufig. Dies bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass die Unternehmen nicht mehr die gewünschten Kredite bekommen, sondern kann auch Ausdruck der fallenden Nachfrage sein. Schließlich ist der Transaktionsmarkt deutlich kleiner geworden. Auffällig ist ferner, dass neben den Landesbanken (-12 Prozent) vor allem bei den Sparkassen die Kreditbestände zurückgegangen sind (-33,3 Prozent). Dies ist allerdings zum Teil der Neuordnung der Wirtschaftsklassifikationen geschuldet.

Vorteilhaft sowohl für die Vermieter von Wohnungen als auch Gewerberäumen ist in jedem Fall, dass in der Branche lange Zinsbindungen dominieren (Schaubild). Jeweils über 75 Prozent der Kreditverträge haben eine Laufzeit von über 5 Jahren, so dass die aktuelle Krise nur einen kleinen Teil der Unternehmen bzw. der Bestände betrifft. Im Maschinen- und Fahrzeugbau liegt der entsprechende Anteil hingegen bei unter 40 Prozent.

Darüber hinaus spricht für die Immobilienwirtschaft, dass hierzulande die Immobilienpreise im internationalen Vergleich kaum gestiegen sind. Damit ist auch das Potenzial für Wertberichtigungen eher gering, ebenso wie die Gefahr von Überschuldungen


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Immobilien-Monitor - Nr. 2 vom 2. Juni 2009

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