Entgeltgleichheit
Frauen verdienen gut ein Fünftel weniger als Männer, heißt es plakativ immer wieder. Dabei werden aber nur die durchschnittlichen Verdienste von Frauen und Männern miteinander verglichen - ohne Berufserfahrung, Alter, Branche, Erwerbspausen, Tätigkeiten etc. zu berücksichtigen. Bei Frauen mit Kindern, die eine kurze Erwerbspause hatten, schrumpft der sogenannte bereinigte geschlechtsspezifische Entgeltabstand zum Beispiel auf 4 Prozent.
Den Ausgangspunkt der vielen Diskussionen um die Entgeltungleichheit von Frauen und Männern bildet die durchschnittliche Entgeltlücke, die das Statistische Bundesamt regelmäßig veröffentlicht. Danach lagen in Deutschland die Bruttostundenverdienste der Frauen im Jahr 2011 um 23 Prozent unter denen der Männer. Für europäische Verhältnisse ist das sehr viel . Woran das liegt, bleibt allerdings oft außer Acht.
Was ist in Deutschland anders?
Rund zwei Drittel aller Frauen im erwerbsfähigen Alter haben hierzulande einen Job. In Italien oder auch in Belgien, wo die Entgeltlücke deutlich niedriger ist, beträgt die Erwerbstätigenquote von Frauen nur 46 Prozent beziehungsweise 57 Prozent. Offenbar gehen in diesen Ländern Frauen vielfach nur dann einer geregelten Arbeit nach, wenn sie gut/höher qualifiziert sind. Das lässt den Verdienstabstand zu den Männern schrumpfen. Für diese Vermutung spricht, dass in Deutschland 41 Prozent der Frauen mit einfachen Ausbildungsabschlüssen einen Job haben. In Italien beträgt die entsprechende Quote 28 Prozent und in Belgien 31 Prozent.
Themen
Welchen Effekt haben Erwerbspausen?
Wenn man sich die Entlohnung zu Beginn des Erwerbslebens ansieht, bestehen zwischen Männern und Frauen kaum Unterschiede. Dies wäre auch verwunderlich, verlassen doch Frauen meist besser ausgebildet als Männer Schulen und Hochschulen. Allerdings unterbrechen Frauen noch immer wesentlich häufiger und länger als Männer ihre Erwerbstätigkeit aus familiären Gründen. Und aus verschiedenen Forschungsarbeiten ist bekannt, dass mit der Dauer einer Auszeit auch die Entgelteinbußen umso größer ausfallen.
Erwerbspausen wegen des Nachwuchses fallen zudem meist in ein Alter, in dem die ersten Karriereschritte gemacht werden. Dementsprechend öffnet sich die Entgeltlücke insbesondere zwischen dem 25. und 40. Lebensjahr. Die Rückkehr in den Beruf findet dann oft in Teilzeit statt. So arbeiten rund 45 Prozent aller erwerbstätigen Frauen Teilzeit, aber nur 9 Prozent der Männer.
Nicht selten wird der Wiedereinstieg durch fehlende Betreuungsplätze für Kleinkinder erschwert . Vor allem in Westdeutschland ist das ein Problem. Dort gehen lediglich 20 Prozent der Kinder unter 3 Jahren in eine Kita, im Osten immerhin um die 50 Prozent.
Was hat der Beruf mit der Lohnlücke zu tun?
Im Rahmen der Berufswahl setzen die Geschlechter unterschiedliche Schwerpunkte. Frauen wählen seltener technische Berufe und sind häufiger im Dienstleistungssektor vertreten. So wählten 2010 rund 6 Prozent der Männer den Kfz-Mechatroniker als Ausbildungsberuf und 4 Prozent den Industriemechaniker. Zu den beliebtesten Frauenberufen zählten dagegen mit 8 Prozent die Kauffrau im Einzelhandel, die Verkäuferin (7 Prozent) und die Friseurin (5 Prozent).
In der Industrie wird aber besser verdient als im Servicebereich. So betrug der Bruttostundenlohn von Vollzeitbeschäftigten im Verarbeitenden Gewerbe 2011 rund 23 Euro, während zum Beispiel für Sonstige persönliche Dienstleistungen rund 14 Euro gezahlt wurden.
Wenn alle diese und weitere Faktoren in die Berechnungen zur Entgeltlücke einfließen, beträgt der geschlechterspezifische Entgeltabstand z.B. bei Frauen mit Kindern, die eine kurze Erwerbspause hatten, nur noch 4 Prozent.
Was tun Unternehmen, um die Unterschiede zwischen Mann und Frau zu verringern?
Viele Unternehmen engagieren sich im Bereich Chancen- und Entgeltgleichheit. Wie eine Befragung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln zeigt, befassen sich vier von fünf Unternehmen mit dem Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf, und sechs von zehn Unternehmen haben das Thema Entgeltgleichheit im Blick.
Ein Beispiel für das Interesse an dem Thema liefert auch das Projekt Logib-D (Lohngleichheit im Betrieb – Deutschland) des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, das für mehr Entgeltgleichheit bei deutschen Arbeitgebern wirbt. Von den insgesamt rund 200 kostenfreien Logib-D-Beratungspaketen wurden mittlerweile über 160 an interessierte Unternehmen vergeben.
Die bislang vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass in den beratenen Unternehmen eine bereinigte Entgeltlücke von rund 5 Prozent verbleibt .
Warum machen die Firmen mit?
Im Rahmen des Logib-D-Erfahrungszirkels – einer Veranstaltungsreihe, die dem Austausch zwischen den an der Logib-D-Beratung teilnehmenden Unternehmen, dem Ministerium und den Projektpartnern dient – wurden die Motive für eine Teilnahme an dem Projekt deutlich. Die Teilnehmer wollten z.B. gezielt die Aufmerksamkeit auf das Thema Entgeltgleichheit im Unternehmen lenken und wissen, wie Lohnlücken zustande kommen. Zum anderen wollen viele Firmen mit Blick auf die demografische Entwicklung ihre Attraktivität durch das Label „Logib-D geprüft“ steigern.
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Argumente zu Unternehmensfragen 7. Mai 2009
Lohnungleichheit: Die Gründe sind vielschichtig
Frauen verdienen im Durchschnitt weniger als Männer. Dafür gibt es viele Ursachen. So wird die Berufstätigkeit für die Kindererziehung oft aufgegeben oder zumindest unterbrochen. Das schadet der Karriere – und führt am Ende zu einem geringeren Verdienst. Frauen, die nach einer Babypause möglichst schnell wieder voll in den Job einsteigen, weisen dagegen nur einen geringen Lohnabstand zu Männern auf. Eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf kann somit die Gehaltsabstände zwischen Männern und Frauen verringern. mehr
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Argumente zu Unternehmensfragen 5. August 2010
Entgeltgleichheit: Ein PC-Programm gibt Auskunft
Ein PC-Programm – genannt Logib-D – erlaubt es Unternehmen auf einfachste Weise, sich schnell einen ersten Überblick über die Entgeltstrukturen von Frauen und Männern im eigenen Betrieb zu machen. Darüber hinaus kann jede Firma mit Hilfe des Tools einen Ergebnisbericht ausdrucken, der z.B. ungenutzte fachliche Potenziale von Frauen aufdeckt. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln begleitet dieses Projekt des Bundesfamilienministeriums. mehr
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IW-Nachrichten 22. April 2010
Girls Day: Die Berufswahl entscheidet über das Einkommen
Weil Frauen und Männer unterschiedliche Berufe bevorzugen, driften ihre Löhne auseinander. Umso wichtiger ist es, Mädchen und junge Frauen über zukunftsorientierte technische Berufe zu informieren, weil dort gut verdient wird. Dort sind Frauen jedoch nach wie vor kaum vertreten. mehr
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IW-Nachrichten 24. März 2010
Entgeltgleichheit: Tool und Beratung für mehr Fairness
Mit dem PC-Programm „Logib-D“ – „Lohngleichheit im Betrieb – Deutschland“ – können Unternehmen selbst die Entgeltlücke zwischen Frauen und Männern in ihrem Haus untersuchen. Die Unternehmen können sich im Rahmen des Projekts für eine kostenlose Vergütungsberatung bewerben. Damit können sie im Wettbewerb um weibliche Fachkräfte punkten. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln koordiniert das Vorhaben. mehr
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IW-Nachrichten 7. März 2010
Entgeltlücke: Was die Zahlen nicht verraten
Nach Angaben des Statistischen Bundesamts verdienten Frauen im Jahr 2008 rund 23 Prozent weniger als Männer. Im internationalen Vergleich landet Deutschland damit auf einem der hinteren Plätze. Dabei muss aber beachtet werden, dass nur die unbereinigte Entgeltdifferenz ausgewiesen wird, d.h. es werden berufstätige Frauen und Männer mit unterschiedlichen Qualifikationen, Berufen, Erwerbsbiografien usw. verglichen. mehr
