Armut

Armut Quelle: chaya1/FotoliaArmut wird relativ gemessen, denn es wird berechnet, wie jemand im Verhältnis zu anderen steht. Eine Person gilt definitionsgemäß dann als arm, wenn sie über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verfügt. Daraus folgt: Wenn alle Einkommen steigen, die der Reichen jedoch stärker als die der Armen, dann nimmt die Armut zu, obwohl die Armen mehr haben als zuvor.

 

Armut ist auch in anderer Hinsicht relativ: Jemand, der in einem Land als arm gilt, zählt in einem anderen Land womöglich zu den Wohlhabenden. Obwohl das Wohlstandsniveau in Deutschland höher liegt als in den meisten anderen Staaten Europas, liegt der Anteil der Armen unter dem europäischen Durchschnitt. Der Grund findet sich in den staatlichen Transferleistungen: Mit der Sozialhilfe, der Grundsicherung im Alter und dem Arbeitslosengeld II hat Deutschland wirksame Instrumente, um materielle Armut zu vermeiden.

 

Der soziale Aufstieg kann jedoch nur gelingen, wenn die Betroffenen einen Job finden. Dies fällt in Deutschland vor allem Alleinerziehenden und Migranten schwer. Damit mehr Menschen ohne staatliche Hilfe auskommen, muss sich zum einen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessern, und zum anderen muss die Aufnahme einer Beschäftigung lohnender werden. Geringverdiener, die ergänzend Arbeitslosengeld II beziehen, sollten deshalb mehr von ihrem Hinzuverdienst behalten dürfen.

Mehr zum Thema

1 2 3 4 5
 
IW-Nachrichten
22. Dezember 2011
Armutsentwicklung: Einfluss des Wirtschaftswachstums wird überschätzt
Der Paritätische Wohlfahrtsverband meldet in seinem Armutsbericht 2011, dass die relative Einkommensarmut in Deutschland konstant geblieben ist. Der Anteil jener, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens beträgt, lag 2010 demnach fast unverändert gegenüber den Vorjahren bei 14,5 Prozent. Vielen Medien ist das eine Skandalmeldung wert. Dabei kann man die Nachricht auch ganz anders interpretieren: Trotz des größten Wirtschaftseinbruchs der Nachkriegsgeschichte ist die Armut sogar im Jahr 2009 keinesfalls drastisch gestiegen.
mehr
iwd
Nr. 16 vom 21. April 2011
Armut: Das Gefühl täuscht
Die Bundesbürger fühlen sich ärmer, als sie sind. Exakt 23 Prozent der Deutschen bezeichnen ihre finanzielle Situation als unzureichend, statistisch betrachtet sind jedoch nur 15 Prozent arm.
mehr
iwd
Nr. 9 vom 3. März 2011
Armut: Auch Armut ist relativ
Knapp 15 Prozent der Bevölkerung in Deutschland gelten als arm. Das ist zwar mehr als Anfang der 1990er-Jahre. Richtig ist aber auch, dass die Armutsquote seit geraumer Zeit nicht weiter steigt.
mehr
iwd
Nr. 4 vom 27. Januar 2011
Entwicklungshilfe: Gemeinsam gegen Armut
Ländern der Dritten Welt unter die Arme zu greifen ist wichtig – der Meinung sind auch die Bürger der Europäischen Union. Selber aktiv werden jedoch die wenigsten. Und 21 Prozent beteiligen sich in keins­ter Form an der Entwicklungshilfe. Die EU ist indes einer der größten Geldgeber.
mehr
IW-Nachrichten
26. Januar 2011
Armutsentwicklung: Sturm im Wasserglas
Neue Angaben der europäischen Statistikbehörde Eurostat zur relativen Einkommensarmut haben in den Medien Falschmeldungen ausgelöst: Von bedenklichen Zahlen ist die Rede, die einen deutlichen Anstieg der Armutsgefährdung belegen würden. Dabei sind die Kommentatoren jedoch einem Bruch in der Statistik aufgesessen. Tatsächlich ist die relative Einkommensarmut hierzulande aktuell nicht höher als Mitte des vergangenen Jahrzehnts.
mehr
1 2 3 4 5
Ansprechpartner
Holger Schäfer
Telefon:
0
30 27877-124
zum Profil
Christoph Schröder
Telefon:
0
221 4981-773
zum Profil