Naturkatastrophen wie Feuersbrünste und Überschwemmungen treten bedingt durch den Klimawandel immer häufiger auf, und sie betreffen immer mehr Menschen – auch weil die Weltbevölkerung wächst. Infolgedessen sind viele Menschen auf der Suche nach einer neuen Heimat.
Für das Jahr 2010 gehen nach Angaben des Institute for Environment and Human Security verschiedene Wissenschaftler davon aus, dass 25 bis 50 Millionen Menschen umweltbedingt ihre vertraute Umgebung verlassen müssen. Die Auswirkungen der Flut in Pakistan sind in diesen Zahlen noch nicht einmal enthalten. Doch es kommt noch viel schlimmer. Eine vorsichtige Schätzung der Internationalen Organisation für Migration (IOM) besagt, dass im Jahr 2050 etwa 200 Millionen Menschen auf der Flucht sein werden, weil sie ihre Häuser wegen plötzlicher oder allmählicher Umweltveränderungen verlassen müssen.
Durch Gewalt und Konflikte wie Krieg oder Bürgerkrieg werden dagegen momentan nur 4,6 Millionen Menschen vertrieben.
Die meisten Umweltflüchtlinge suchen bisher Zuflucht innerhalb ihres eigenen Landes. Nach Angaben der Vereinten Nationen haben 2008 rund 20 Millionen Menschen, die wegen extremer Wetterereignisse die Flucht ergriffen haben, im Heimatland eine neue Bleibe gefunden. Das ist jedoch nicht immer einfach. Denn von Naturkatastrophen betroffen waren zuletzt vor allem Regionen, die nur über eingeschränkte Möglichkeiten zur Integration von Vertriebenen verfügen – Entwicklungsländer wie Myanmar, Bangladesch und Nepal (Tableau).
Künftig bedroht sind aufgrund des steigenden Meeresspiegels vor allem Küstenbewohner. Der Human Development Report der Vereinten Nationen geht von 145 Millionen Menschen aus, die einem hohen Risiko ausgesetzt sind, wenn die Weltmeerpegel auch nur um einen Meter steigen. Drei Viertel der Betroffenen leben in Ost- und Südasien.
Die Politik kann die Migration teilweise aufhalten – sie wird sich jedoch auch damit auseinandersetzen müssen, wie sie künftig mit Umweltflüchtlingen umgeht. Dabei sollte dreigleisig gefahren werden:
- Prävention. Die Industrieländer können einiges tun, um den ärmeren Ländern dabei zu helfen, die Auswirkungen des Klimawandels zu mindern, indem sie beispielsweise beim Deichbau oder bei der Aufforstung verödeter Landstriche helfen.
- Anpassungsstrategie. In vielen Fällen ist eine Umsiedlung aufzuhalten, wenn den Menschen geholfen wird, mit der neuen Situation klarzukommen, indem man z.B. in von Dürre betroffenen Gegenden tiefere Brunnen bohrt.
- Umsiedlung. Wenn sich extreme Naturereignisse häufen, werden viele Umweltflüchtlinge nicht mehr inihrer Heimat Unterschlupf finden. Dann ist die internationale Gemeinschaft gefordert, Migranten bei sich aufzunehmen und sie zu integrieren.