Bundesländerranking 2010

Der Osten macht Tempo

Die ostdeutschen Bundesländer haben die Weltwirtschaftskrise weit besser überstanden als der Westen. Zu diesem Ergebnis kommt das achte Bundesländerranking, das die IW Consult in Zusammenarbeit mit der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) und der Zeitschrift WirtschaftsWoche durchgeführt hat. Demnach haben sich die neuen Länder besonders dynamisch entwickelt und konnten damit zum Westen aufschließen.*)

 

Bereits zum dritten Mal hat im Bundesländerranking der Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) Consult (siehe unten) ein ostdeutsches Land die Nase vorn: Brandenburg. Dort hat sich die Wirtschaft in den vergangenen drei Jahren dynamischer entwickelt als in allen anderen Flächen- und Stadtstaaten. Ursache hierfür waren vor allem die Fortschritte auf dem Arbeitsmarkt – so gab es zwischen 2006 und 2009 ein sattes Plus bei der Zahl der Erwerbstätigen (4,2 Prozent) sowie zeitgleich einen deutlichen Rückgang der Arbeitslosenquote (4,6 Prozentpunkte).


BrandenburgAuch die anderen ostdeutschen Länder inklusive Berlin kamen besser durch die Finanz- und Konjunkturkrise als die westdeutschen (Grafik):


Wie der im Bundesdurchschnitt auf 50 Punkte normierte Wirtschaftsdynamik-Indikator zeigt, legten Brandenburg mit 61,1 Punkten, Mecklenburg-Vorpommern mit 60,8 Punkten und Berlin mit 57,9 Punkten die beste Performance zwischen 2006 und 2009 hin.


Dass Brandenburg Länderprimus wurde, lag zwar hauptsächlich an den überdurchschnittlichen Fortschritten auf dem Arbeitsmarkt; doch auch bei anderen Kriterien machte das Bundesland gewaltige Sprünge: So sind die Studentenzahlen in Frankfurt/Oder, Potsdam und Cottbus zuletzt vergleichsweise deutlich gestiegen; gleiches gilt für die eingeworbenen Drittmittel an den Hochschulen. Nicht zuletzt entwickelten sich in Brandenburg auch die Landesfinanzen in der Drei-Jahres-Betrachtung solide.


In Mecklenburg-Vorpommern, das mit seiner Bewertung nur knapp hinter Brandenburg liegt, verbesserte sich vor allem die Wirtschaftsleistung stark. So stieg das Bruttoinlandsprodukt zwischen 2006 und 2009 um 1,9 Prozent, während die Wirtschaftsleistung im Bundesdurchschnitt um 1,4 Prozent zurückging. Von der globalen Finanzkrise blieb das stark binnenwirtschaftlich geprägte Land nämlich weitgehend verschont: Im wichtigen Tourismussektor etwa konnte Mecklenburg-Vorpommern die ohnehin schon sehr hohe Anzahl der Gästeübernachtungen je Einwohner im Analysezeitraum noch weiter steigern – auf 17,2 Nächtigungen je Einwohner (der Bundesdurchschnitt lag bei 4,5).


Auch der Arbeitsmarkt kam in Schwung: Mecklenburg-Vorpommern konnte die Arbeitslosenquote zwischen 2006 und 2009 um 5,5 Prozentpunkte auf 13,5 Prozent senken. Zugleich schrumpf­te die Quote der ALG-II-Empfänger um 2,3 Prozentpunkte.


In der Bundeshauptstadt entwickelte sich ebenfalls vieles hervorragend: Die Steigerung des Bruttoinlandsprodukts (um 3,9 Prozent), die Zunahme der Erwerbstätigenzahl (um 6,2 Prozent) und das Plus bei der Exportquote (15,7 Prozentpunkte) waren in Berlin so stark ausgeprägt wie sonst nirgends. Überdies besitzt die Metropole Anziehungskraft – sowohl die Einwohnerzahlen als auch die Zahl der Gästeübernachtungen kletterten kräftig nach oben.


Gelitten haben hingegen die Länder, die bei den vorangegangenen Rankings meist gut abschnitten: Überall dort, wo es viele Industrieunternehmen gibt – insbesondere aus dem Maschinenbau und der Metall- und Elektroindustrie – und wo die Ausfuhren traditionell hoch sind, schlug die Wirtschaftskrise voll durch. Die Folgen sind bekannt: Drosselung der Produktion, Kurzarbeit, Entlassungen.


Besonders gut lässt sich dieses Phänomen im Ländle beobachten:


Baden-Württemberg landet beim Dynamik-Ranking für den Zeitraum 2006 bis 2009 mit nur 39,5 Punkten auf dem letzten Platz. Hauptgründe dafür sind das geringe Minus bei der Arbeitslosenquote (1,2 Prozentpunkte) sowie die um 1,7 Prozent gesunkene Produktivität.


Auch die verfügbaren Einkommen sowie das Bruttoinlandsprodukt entwickelten sich unterdurchschnittlich. Ähnlich erging es dem Saarland, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, die in Folge der weltweiten konjunkturellen Turbulenzen nun ebenfalls auf den hinteren Plätzen des Rankings rangieren.


BayernDoch auch wenn der Osten den Westen in puncto wirtschaftlicher Dynamik auf breiter Front abgehängt zu haben scheint, lohnt sich ein Blick auf die absoluten Zahlen. Denn Wirtschaftskraft und Wohlstand sind nach wie vor in nahezu allen alten Bundesländern deutlich höher als in den neuen (Grafik):


In absoluten Größen führen Bayern, Baden-Württemberg und Hamburg das Wirtschaftsranking an. In diesen Bundesländern sind die Bürger besonders wohlhabend, leben vergleichsweise wenige Arbeitslose, aber viele innovationsfreudige Wissenschaftler.


Bayern zum Beispiel kann gleich mehrere Superlative auf sich vereinigen: Der Freistaat verzeichnete mit 20.505 Euro im Jahr 2009 die höchste Kaufkraft je Einwohner – 18.904 Euro waren es bundesweit; außerdem hatte Bayern die niedrigste Arbeitslosenquote (4,8 Prozent), die höchste Exportquote (50,4 Prozent) und die niedrigste Kriminalitätsrate mit 5.073 Straftaten je 100.000 Einwohner – im Bundesdurchschnitt waren es 7.383 Delikte je 100.000 Bürger.


Als Land der Erfinder konnte sich beim Bestandsranking wiederum Baden-Württemberg hervortun. Dort kamen im Jahr 2009 im Schnitt 144 Patente auf 100.000 Einwohner, das sind fast dreimal mehr als im Bundesdurchschnitt. Spitzenwerte gab es auch bei den von den Hochschulen eingeworbenen Drittmitteln sowie bei der Forschungs- und Entwicklungsintensität: Während im Bundesdurchschnitt auf 1.000 Erwerbstätige acht Mitarbeiter in der Forschung und Entwicklung kamen, waren es im Südwesten 15,8.


Die neue Stärke des Ostens macht sich übrigens – wenn auch noch zaghaft – ebenfalls beim Niveauvergleich bemerkbar. Mit Thüringen gelang es erstmals einem ostdeutschen Bundesland, sich vor ein westliches Bundesland, nämlich Bremen, zu setzen. Und auch die Abstände der unmittelbar nachfolgenden Länder Brandenburg und Sachsen gegenüber Bremen sind so gering, dass bei der derzeitigen Entwicklungsdynamik künftig mit weiteren Ost-West-Überholmanövern zu rechnen ist.


Ein Sorgenkind bleibt allerdings Berlin. Auch wenn die Bundeshauptstadt aufgeholt hat, landet sie im Niveau-Vergleich bereits zum siebten Mal auf dem letzten Platz. So hat Berlin die höchste Arbeitslosenquote, die meisten ALG-II-Empfänger, die größte Kriminalitätsrate und eine sehr hohe private Verschuldung.

 

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16 Bundesländer und zwei Rankings

 

Zum achten Mal hat die IW Consult zusammen mit der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) und der WirtschaftsWoche ein Bundesländerranking erstellt, das die wirtschaftliche Dynamik der vergangenen drei Jahre beleuchtet. Und da die Wirtschaftskraft eines Bundeslands von weit mehr abhängt als der Produktivität der Betriebe oder der Zahl der Arbeitsplätze, haben die Wissenschaftler fast 100 ökonomische und strukturelle Indikatoren berücksichtigt: so zum Beispiel die Betreuungsquote von Kleinkindern, die Ausbildungsplatzdichte, die Einwohnerzahl sowie die Kriminalitätsrate. Anhand dieser Indikatoren kommt ein Ranking zustande, das zeigt, wie sich der Wohlstand und die Wirtschaft in den 16 einzelnen Bundesländern zuletzt entwickelt haben. Gleichzeitig beleuchtet ein zweites Ranking die absoluten Länderwerte. Dieses Bestandsranking vergleicht den wirtschaftlichen Ist-Zustand aller Stadt- und Flächenstaaten.

 

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*)  www.bundeslaenderranking.de

 

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