Sogenannte Business Angels spielen für Unternehmensgründer in Deutschland eine entscheidende Rolle. Würde das Engagement der privaten Investoren steuerlich stärker gefördert, könnte noch mehr Geld in junge Unternehmen fließen.
Eine gute Idee und ein durchdachter Geschäftsplan reichen heute nicht mehr aus, um Geldgeber für ein Unternehmen zu finden. Denn vor allem in jungen Branchen existiert trotz großer Wachstumschancen ein sehr hohes Risiko – weshalb die Finanzierung oft über Beteiligungskapital (Venture Capital) erfolgen muss. Im Unterschied zu Bankkrediten werden diese Geldgeber am Erfolg des Unternehmens beteiligt und verkaufen ihre Firmenanteile zu einem späteren Zeitpunkt wieder.
Voraussetzung dafür, dass Venture-Capital-Gesellschaften Geld auf den Tisch legen, ist in den meisten Fällen allerdings, dass ein Unternehmen bereits gegründet ist – folglich sind Business Angels oft die einzige Möglichkeit für Firmengründer. Diese „Engel“ sind vermögende Privatpersonen, die Kapital und Know-how zur Verfügung stellen und dafür Anteile am Unternehmen erhalten. Sie unterstützen die Gründer also nicht nur finanziell, sondern auch mit Fachwissen – das Risiko zu scheitern kann so reduziert werden, schließlich sind die Jungunternehmer häufig unerfahren.
Im ersten Quartal 2010 investierte ein Business Angel durchschnittlich 12.900 Euro in jedes Unternehmen, das er unterstützte.
Die jüngste vierteljährliche Befragung deutscher Privatinvestoren durch das Netzwerk der Business Angels in Deutschland zeigt allerdings, dass private Investoren wegen der Finanzmarktkrise im vergangenen Jahr insgesamt weniger investiert haben als früher (Grafik).

Ohnehin beteiligen sich Business Angels in Deutschland relativ selten an Firmen. Von den 2005/2006 gegründeten Hightech-Unternehmen – Firmen dieser Kategorie werden von den Privatinvestoren generell noch am häufigsten gefördert – erhielt nur etwa jedes 20. Finanzmittel. Dennoch sind die Gelder der Engel für den Hightech-Sektor wesentlich wichtiger als die Finanzmittel der Venture-Capital-Gesellschaften: Business Angels unterstützen etwa 80 Prozent der jungen Hightech-Unternehmen, die Geld von Dritten erhalten. Nur ungefähr 10 Prozent dieser Firmen erhalten finanzielle Unterstützung durch Venture-Capital-Gesellschaften.
Generell haben es Gründer in Deutschland noch immer deutlich schwerer, an das nötige Kapital zu kommen, als in anderen Ländern.
Im Jahr 2009 bewerteten fast zwei Drittel der für den Global Entrepreneurship Monitor befragten Experten die Finanzierungsbedingungen für Gründungen in Deutschland als besonders schlecht.
Das Netzwerk der Business Angels schätzt, dass der informelle deutsche Beteiligungskapitalmarkt 2009 ein Volumen von rund 250 Millionen Euro hatte – in den USA waren es im selben Jahr umgerechnet rund 12,1 Milliarden Euro.
Zwar werden Unternehmensbeteiligungen von Business Angels in Deutschland steuerlich gefördert. Im Vergleich zu anderen Ländern sind die Anreize jedoch gering. Würde hier nachgebessert, dürften sich private Geldgeber noch stärker engagieren. Den potenziellen Investoren geht es momentan nämlich ziemlich gut: Im ersten Quartal 2010 bewerteten die für das Business Angels Panel befragten Personen ihre Geschäftsaussichten mit 5,5 von 7 Punkten. Bedarf an mehr Kapital aus privater Hand ist ebenfalls vorhanden: Jeder Engel erhielt im ersten Vierteljahr 2010 im Schnitt 18 Businesspläne mit der Bitte um Förderung – vier mehr als im letzten Quartal 2009.