Ausländische Jugendliche treten seltener als deutsche eine Ausbildung an. Häufiger als ihre deutschen Altersgenossen wählen sie aber auch Standardberufe und stellen dann eventuell fest, dass diese ihren Neigungen und Fähigkeiten nicht entsprechen. Mithilfe von Förderprogrammen und einer besseren Berufsvorbereitung könnte hier viel bewegt werden.
Für Jugendliche mit Migrationshintergrund, die keinen deutschen Pass haben, ist es in Deutschland offensichtlich ziemlich schwierig, eine Lehrstelle zu bekommen (Grafik). So befanden sich 2008 nur knapp 26 Prozent der 18- bis 20-jährigen Ausländer in einer Berufsausbildung. Von den deutschen Jugendlichen waren es 58 Prozent.
Im Jahr 1993 waren beide Quoten deutlich höher. Der Abstand allerdings war ebenso groß: Die deutschen Schulabgänger absolvierten mit 70 Prozent mehr als doppelt so häufig eine Lehre wie die ausländischen, von denen nur ein Drittel einen Beruf lernte.
Beide Quoten sind zwischen 1995 und 2006 fast kontinuierlich gesunken, weil zum einen das Ausbildungsplatzangebot zu gering war und zum anderen immer mehr Jugendliche ein Studium der Lehre vorzogen.
Die gravierenden Unterschiede in der Ausbildungsbeteiligung von Deutschen und Ausländern haben mehrere Ursachen:
1. Schulleistungen. Diese sind bei Migrantenkindern im Durchschnitt schlechter als bei deutschen. Das zeigen praktisch alle Schulvergleiche, zum Beispiel die PISA-Studie. Es hapert an Deutsch- und Mathematikkenntnissen, aber auch bei wichtigen Fremdsprachen wie Englisch sind Defizite vorhanden.
2. Berufswahl. Viele ausländische Kinder wissen offenbar gar nicht, welche Möglichkeiten ihnen die Berufswelt bietet. Stattdessen beschränken sich ausländische Jugendliche bei der Wahl ihrer Lehrstelle auf das, was sie aus der Heimat oder aus den Berichten von Freunden kennen. Beliebt sind z.B. Kaufmann/frau im Einzelhandel, Friseur/in, Verkäufer/in, medizinische und zahnmedizinische Fachangestellte. Allein auf diese fünf Berufe stürzen sich knapp 30 Prozent aller ausländischen Auszubildenden. Von den deutschen Jugendlichen wählten hingegen lediglich 20 Prozent die fünf am stärksten besetzten Berufe.
In anspruchsvolleren Ausbildungsgängen wie Bankkaufmann/frau, Mechatroniker/in, Industriekaufmann/frau und Industriemechaniker/in sind dagegen die Auszubildenden mit ausländischer Staatsangehörigkeit längst nicht so oft zu finden wie deutsche Jugendliche.
Insgesamt waren im Jahr 2008 mehr als 60 Prozent der Auszubildenden mit ausländischem Pass in gerade einmal 20 Ausbildungsberufen anzutreffen. Von den deutschen Auszubildenden entschieden sich gut 50 Prozent für diese Berufe.
3. Ausbildungsabbruch. Im Jahr 2008 hatten 6,4 Prozent aller Ausbildungsabbrecher eine ausländische Staatsangehörigkeit. Gleichzeitig waren aber insgesamt nur 4,5 Prozent der Auszubildenden ausländischer Herkunft.
Warum Said, Ayse, Milan, Sergej und Co. ihre Lehre öfter hinschmeißen als Markus und Karin, lässt sich nicht so einfach ergründen. Es gibt aber Vermutungen: Weil sich viele junge Ausländer bei ihrer Berufswahl einschränken und dabei vielleicht nicht ihren Neigungen folgen, ist der Katzenjammer groß, wenn sie dann in der Realität ankommen. Der Ausbildungsabbruch ist oft die logische Konsequenz.
Die relativ niedrige Ausbildungsbeteiligung und die eingeschränkte Berufswahl der Jugendlichen mit ausländischen Wurzeln können jedoch durch Fördermaßnahmen verändert werden. Das Programm JOBSTARTER beispielsweise spricht gezielt ausländische Unternehmen an, weil diese längst nicht so oft ausbilden wie deutsche Firmen. In Berlin werben Kammern und Senat gezielt unter Ausländern in ihrer Landessprache für einen der über 300 Ausbildungsberufe. Aber auch eine gezielte Förderung des fachsprachlichen Unterrichts in der Berufsschule – dort erlernen die Jugendlichen die speziellen Fachbegriffe ihres Ausbildungsberufs – erhöht den Ausbildungserfolg.