Agrarpolitik

Ende der Bananenschlacht

Lange Zeit hat die EU von einigen Ländern hohe Importzölle für Bananen verlangt, wofür sie von der Welthandelsorganisation mehrfach verurteilt wurde. Nun ist der Disput endlich zur mehr oder weniger großen Zufriedenheit aller gelöst. Auch die Verbraucher können sich freuen – denn die Preise für Bananen dürften über kurz oder lang purzeln.

 

Der Bananenmarkt ist lukrativ: Die 2008 insgesamt in der EU gehandelten Bananen hatten einen Wert von 2,9 Milliarden Euro. Kein Wunder, dass der Zugang zu diesem Markt hart umkämpft ist. Fast zwei Jahrzehnte lang tobte ein regelrechter Kampf um die krumme Frucht, doch nun ist ein Ende in Sicht: Die Europäische Union will ihre Importzölle für Bananen aus Lateinamerika sukzessive senken. Bislang mussten Länder wie Ecuador, Kolumbien oder Costa Rica, aus denen fast drei Viertel aller in die Staatengemeinschaft eingeführten Bananen stammen, einen Einfuhrzoll von 176 Euro je Tonne entrichten. Gelbe Früchte aus den AKP-Ländern – also aus Afrika, den Karibik- und den Pazifikstaaten – konnten hingegen ganz ohne Aufschlag importiert werden.

 

Diese Ungleichbehandlung hat zum längsten Handelsstreit der Nachkriegszeit geführt. Bereits 1991, als einige EU-Länder noch ihre eigenen Importregeln für Bananen festsetzen konnten, beklagte sich Costa Rica, dass die Diskriminierung von Bananenexporten aus zentralamerikanischen Staaten gegen die Prinzipien der Welthandelsorganisation (WTO) verstoße. Im Jahr 1993 verurteilte die WTO daraufhin die Bananenordnung einzelner EU-Länder erstmals als regelwidrig. Ein Jahr später, nachdem die Mitgliedsstaaten der EU ihre Importregeln vereinheitlicht hatten, sprach sich die WTO wiederum gegen die Bananenzölle aus.

 

Und auch die Korrekturen, die die EU in den folgenden Jahren an ihren Einfuhrregeln für Bananen vornahm, reichten den Weltmarktwächtern nicht aus: Mehrfach wurde die Staatengemeinschaft wegen ihrer die lateinamerikanischen Länder benachteiligenden Agrar­politik verurteilt.

 

Dazu wird es jedoch künftig keinen Anlass mehr geben. Die problematischen Handelshürden werden in den kommenden Jahren schrittweise abgebaut:

 

Die aktuelle europäische Agrarmarktordnung sieht vor, den Zoll für Bananen aus Lateinamerika spätes­tens bis zum Jahr 2019 schrittweise auf 114 Euro pro Tonne zu senken.

 

Weitere bilaterale Handelsabkommen werden dafür sorgen, dass die EU vom Gros der diskriminierten Staaten peu à peu nur noch einen Einfuhrzoll von 75 Euro je Tonne verlangt. Im Gegenzug dafür haben die Länder Lateinamerikas zugesagt, sämtliche Klagen bei der WTO zurückzuziehen und bei der laufenden Welthandelsrunde keine weiteren Zugeständnisse beim Abbau der Bananenzölle zu fordern.

 

VitamineDer Zollabbau, für den sich die Lateinamerikaner so lange eingesetzt haben, dürfte die AKP-Staaten allerdings empfindlich treffen (Grafik):

 

Trotz ungehinderten Zugangs kamen im Jahr 2008 nur 17 Prozent aller in die EU importierten Bananen aus AKP-Staaten. Das Abkommen wird die Importquote voraussichtlich weiter drücken. Experten gehen davon aus, dass die Exporte der vitaminreichen Früchte aus diesen Ländern in den nächsten Jahren um rund 14 Prozent sinken dürften.

 

Um den Konkurrenzdruck für die afrikanischen, karibischen und pazifischen Staaten zu mildern, hat die EU-Kommission Wirtschaftshilfen in Höhe von circa 200 Millionen Euro lockergemacht. Mit diesem Geld soll die Wettbewerbsfähigkeit der AKP-Produzenten gesteigert beziehungsweise die Diversifizierung auf andere Branchen und Produkte vorangetrieben werden.

 

Für die Verbraucher in der EU dürfte der Abbau der Bananenzölle auf jeden Fall einen angenehmen Nebeneffekt haben: Die lateinamerikanischen Schalenfrüchte werden künftig wohl billiger zu haben sein.

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