Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft, die derzeit in Südafrika um den Weltmeisterschaftspokal kickt, ist nicht nur sehr jung, sondern auch multikulturell geprägt: Elf der 23 Spieler haben ausländische Wurzeln und mit einem Durchschnittsalter von rund 25 Jahren präsentiert sich der WM-Kader so jugendlich wie noch nie. Dieser Wandel tut offensichtlich auch dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) gut – seit mehr als zehn Jahren steigen dessen Mitgliederzahlen kontinuierlich.
Keine Frage, Jogi Löw ist ein erfolgreicher Bundestrainer: Unter seiner Ägide belegte die deutsche Mannschaft bei der Europameisterschaft 2008 Platz zwei. Begeistern konnten seine Jungs auch mit den engagierten Spielen der laufenden WM. Nach der ersten Partie gegen Australien, bei der die Mannschaft nicht nur effizient, sondern auch mit Spielwitz agierte, handelten viele das deutsche Team bereits als möglichen Weltmeister. Im zweiten Gruppenspiel gegen Serbien, das Deutschland zwar verlor, überzeugte die Mannschaft zumindest mit großer Leidenschaft. Und Nervenstärke bewies die DFB-Elf im Spiel gegen Ghana, das 1:0 endete und beide Mannschaften ins Achtelfinale bugsierte, in dem Jogis Elf die Engländer souverän besiegte.
Unabhängig davon, ob Joachim Löw in den kommenden Jahren Bundestrainer bleiben wird oder nicht, die deutsche Nationalmannschaft ist für die Zukunft auf jeden Fall sehr gut aufgestellt – denn noch nie war der Kader so jung wie heute (Grafik):
Während die WM-Mannschaft 1998 noch auf ein Durchschnittsalter von rund 30 Jahren kam, sind die Spieler heute im Mittel gut 5 Jahre jünger.
Mit der Verjüngungskur schritt gleichzeitig die Internationalisierung voran. Von den U-21-Europameistern des Jahres 2009 verstärken neben Torwart Manuel Neuer mit Mesut Özil, Marko Marin, Sami Khedira, Denis Aogo und Jérôme Boateng gleich fünf junge Migranten die DFB-Elf. Zusammen mit Miroslav Klose, Lukas Podolski, Cacau, Mario Gomez, Pjotr Trochowski und Serdar Tasci gehören daher insgesamt elf Spieler mit ausländischen Wurzeln zum deutschen WM-Team, was einem Anteil von 48 Prozent entspricht. Damit sind die Spieler mit Migrationshintergrund und deutschem Pass fast viermal so stark im WM-Kader vertreten wie in der männlichen Gesamtbevölkerung im Alter von 20 bis 35 Jahren.
Dass Einwanderer für Deutschland spielen, ist kein neues Phänomen. Schon 1954 verstärkte der in Rumänien geborene Josef „Jupp“ Posipal die deutsche Elf. Seitdem bereicherten immer wieder einzelne Spieler mit ausländischem Hintergrund die Nationalmannschaft. Doch der Durchbruch kam erst im Jahr 2000, als mit Miroslav Klose, Oliver Neuville und Gerald Asamoah drei Migranten sechs der 14 Weltmeisterschaftstore schossen.
Dem Deutschen Fußball-Bund, dem Dachverband der heimischen Kicker, tut diese Entwicklung offensichtlich gut: Er konnte seine Mitgliederzahlen zwischen 1998 und 2010 von 6,2 auf 6,8 Millionen Menschen steigern, wobei die Mehrheit der neuen Mitglieder Frauen sind. Doch der demografische Wandel, der bereits heute zu einer sinkenden Bevölkerungszahl in der Bundesrepublik führt, ist auch für den DFB eine große Herausforderung. Umso wichtiger ist es, dass sich die Menschen mit fremden Wurzeln auch bei den populären Vertretern des Breitensports wiederfinden: Poldi, Özil und Co. sind nicht nur Ball-Virtuosen, sondern wichtige Vorbilder für eine gelungene Integration.