Pharmaindustrie und Medizintechnik

Erfolg braucht den richtigen Rahmen

Die Unternehmen der pharmazeutischen Industrie sowie der Medizintechnik haben in den vergangenen Jahren die Wirtschaft in Deutschland gestützt und viele neue Arbeitsplätze geschaffen. Unter anderem aufgrund der alternden Bevölkerung sind auch die weiteren Perspektiven der beiden Branchen günstig. Allerdings muss die Politik dazu die richtigen Rahmenbedingungen setzen.*)

Überraschend krisenfest – so lässt sich das Jahr 2009 für die Wirtschaftszweige Pharmazie und Medizintechnik zusammenfassen. Während das Verarbeitende Gewerbe insgesamt einen Umsatzeinbruch um 18,2 Prozent erlitt, verzeichneten die Pharma- und Medizinsparten lediglich ein Minus von 3,1 Prozent. Die Zahl der Beschäftigten stieg dort sogar nochmals um 0,9 Prozent auf zuletzt rund 278.000, während in der gesamten Industrie 2,8 Prozent der Arbeitsplätze wegfielen.

Auch in den Jahren zuvor wuchsen die beiden Spitzentechnologiebranchen kräftig – unter anderem dank ihrer Forschungsanstrengungen (vgl. iwd 9/2010):
Von 2003 bis 2008 steigerten die Unternehmen der Pharmaindustrie und der Medizintechnik ihre Brutto­wertschöpfung insgesamt um rund 23 Prozent.

Damit zählt der Wirtschaftszweig  deutschlandweit zu den zehn dynamischsten Branchen.

Von dieser Antriebskraft profitieren auch Firmen in anderen Wirtschaftssparten – indem sie einen beachtlichen Teil ihrer Erzeugnisse an die Medizintechnik- und Pharmaunternehmen verkaufen. Dies gilt beispielsweise für Softwarefirmen und Logistikbetriebe. Die enge Zusammenarbeit sichert eine Vielzahl von Arbeitsplätzen – im Jahr 2006 kam auf jeweils zwei Stellen im Pharma- und Medizintechnikbereich ein weiterer Job bei den Vorleistungslieferanten.

Die vier beschäftigungsstärksten Phar­ma-Regionen in Deutschland sind Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen – und Hessen. An den Standorten rund um Frankfurt am Main arbeitete im Jahr 2008 mit rund 34.000 fast jeder achte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte der Pharma- und Medizintechnikin­dus­trie. Die hessischen Firmen sind zudem besonders weltmarktorientiert: Sie erzielten zuletzt fast 64 Prozent ihres Umsatzes im Ausland – bundesweit betrug die Exportquote „lediglich“ 59 Prozent.

BeschäftigungDie starke Präsenz der pharmazeutischen und medizintechnischen Betriebe in Hessen prägt auch die dortige Industrieregion. So ist der Anteil der Branche am gesamten Umsatz bzw. allen Beschäftigten des Verarbeitenden Gewerbes im Rhein-Main-Gebiet mit rund 13 bzw. 10 Prozent etwa dreimal so hoch wie im Bundesdurchschnitt. In den zurückliegenden Jahren kamen bei den hessischen Herstellern von Arzneimitteln und medizinischen Geräten noch einmal besonders viele Jobs hinzu (Grafik):
Von 1999 bis 2008 erhöhten die Pharma- und Medizintechnikunternehmen in Hessen die Zahl ihrer Mitarbeiter um 17,5 Prozent – damit war der Zuwachs noch größer als in Deutschland insgesamt (plus 16,7 Prozent).

Verglichen mit der allgemeinen Arbeitsmarktentwicklung ist dies beeindruckend. So stieg die Zahl aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Hessen im genannten Zehnjahreszeitraum lediglich um 2 Prozent, bundesweit gab es sogar einen leichten Rückgang.

Auch die Aussichten für die Pharma- und die Medizintechnikbranche sind prinzipiell günstig. Schließlich gehört sie zum Kern der Gesundheitswirtschaft, die Experten als künftiges Zugpferd der Wirtschaft ansehen. Die Firmen profitieren insbesondere davon, dass die Bevölkerung in den Industrieländern immer älter wird und daher der Bedarf an Produkten rund ums Thema Gesundheit zunimmt. Zudem bieten die aufstrebenden Volkswirtschaften wie China und Indien große Marktchancen.

Damit die Unternehmen aber trotz der immer härteren Konkurrenz auf den Weltmärkten erfolgreich bleiben können und auch in Deutschland die Produktions- und Absatzperspektiven stimmen, muss die Wirtschaftspolitik mitziehen. Unter anderem gilt es, die gesetzliche Krankenversicherung so umzugestalten, dass auch die unterschiedliche Zahlungsbereitschaft der Versicherten besser genutzt werden kann. Wichtig für den Pharmastandort D wären zudem eine steuerliche Forschungsförderung sowie eine Abgabenpolitik, die die Sozialabgaben im Zaum hält und damit den Bürgern genug finanziellen Spielraum lässt, die benötigten Gesundheitsprodukte und -dienste nachfragen zu können.

*) Vgl. Institut der deutschen Wirtschaft Köln Consult

Bedeutung und Zukunftsperspektive der Pharmaindustrie in Deutschland und Hessen

Studie im Auftrag von HessenChemie, vorgestellt auf den „Wiesbadener Gesprächen zur Sozialpolitik“, siehe auch: www.wiesbadenergespraeche.de

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