Kapital- und Zinserträge werden in den meisten Industrienationen deutlich niedriger besteuert als andere Einkunftsarten. Denn das „scheue Reh“ Kapital reagiert schnell auf niedrigere Steuersätze in anderen Ländern – entsprechend zügig verlagern Investoren ihre finanziellen Engagements. Um dem entgegenzuwirken, hat beispielsweise der deutsche Gesetzgeber im Jahr 2009 eine Abgeltungssteuer eingeführt. Durch sie unterliegen Kapitalerträge aus Privatvermögen nicht länger dem progressiven Einkommenssteuertarif, sondern werden mit 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag pauschal besteuert. Bulgarien hat dieses Steuersystem besonders konsequent umgesetzt – dort sind Zinseinkünfte komplett steuerfrei. Vom globalen Trend gibt es aber auch gewichtige Ausnahmen: In den angelsächsischen Ländern, der Schweiz und in einigen osteuropäischen Staaten sind die Steuersätze auf Zinsen und Arbeitseinkommen gleich hoch. Weil man dort der Meinung ist, dass sich die Bürger in diesen Staaten für ihr Arbeitsentgelt mehr anstrengen müssen, wird dieses nicht stärker besteuert als Kapitalerträge.
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