Mit dem relativ neuen Finanzmarktinstrument der Katastrophenanleihe lassen sich finanzielle Schäden nach Naturkatastrophen wie einem schweren Erdbeben besser regulieren und deshalb im Vorfeld besser versichern. Die sogenannten Cat(atastrophe) Bonds sind sogar relativ ungeschoren durch die Finanzkrise gekommen.
Wie fast jeder Bürger versichern sich auch viele Unternehmen gegen Schadensfälle. Dabei geht es jedoch weniger um kleinere Unglücke, denn deren finanzielle Risiken sind überschaubar. Wenn aber eine dicht besiedelte und wohlhabende Region von einer Naturkatastrophe heimgesucht wird, dann summieren sich die Schäden schnell auf etliche Milliarden.
Der bisher größte Versicherungsfall richtete trat im August 2005 mit dem Hurrikan „Katrina“ vor der Golfküste der USA ein: Für die Schadensregulierung mussten die Versicherungsgesellschaften mehr als 71 Milliarden Dollar aufwenden.
In Europa verursachte das Orkantief „Klaus“ im Januar 2009 Schäden von über 3 Milliarden Dollar.
Zerstörte Häuser, unterspülte Straßen, abgerissene Stromleitungen – die Liste der Sachschäden nach Naturkatastrophen ist lang, doch längst nicht alle sind versichert. So waren 2009 nur 40 Prozent der weltweiten Katastrophenschäden von insgesamt 62 Milliarden Dollar durch Versicherungen gedeckt.
Für die Versicherungsgesellschaften sind solche Risiken meist so groß, dass sie sich selbst versichern müssen – bei sogenannten Rückversicherern. Doch auch diese kapitalstarken Gesellschaften können die finanziellen Folgen extremer Katastrophen nicht ohne weiteres schultern. Deshalb nutzen die Unternehmen zunehmend den Finanzmarkt zur Refinanzierung und Schadensregulierung, indem sie sogenannte Katastrophenanleihen (Cat Bonds) emittieren (siehe unten).

Während die meisten Wertpapiere in der weltweiten Finanzkrise regelrecht abgestürzt sind, haben sich die Katastrophenanleihen ganz gut geschlagen (Grafik). Im Jahr 2009 betrug das Volumen der Cat Bonds 12,5 Milliarden Dollar – das waren nur 1,5 Milliarden Dollar weniger als vor der Krise.
Laut Finanzmarktexperten spielen die Katastrophenanleihen künftig eine immer größere Rolle. Denn in einer dichter besiedelten Welt kann schon ein kleines Beben sehr große Schäden verursachen.
Für Anleger sind solche Anleihen interessant, weil ihre Renditen nicht so sehr von der Konjunktur abhängen. Sie eignen sich also trotz des nicht zu vernachlässigenden Risikos als Beimischung zum Finanzdepot. Denn Investoren sollten mehrere Eisen im Feuer haben.
Katastrophenanleihen
Die Initiative für die Ausgabe von Cat Bonds geht oft von einem Rückversicherer aus: Er gründet eine Zweckgesellschaft. Diese emittiert Katastrophenanleihen, die von Investoren gekauft werden. Die Zweckgesellschaft legt die Erlöse aus der Anleihe-Emission sicher an.
Die Katastrophenanleihen versprechen während ihrer Laufzeit eine feste Zinszahlung und am Ende der Laufzeit die Rückzahlung der Einlagen. Gezahlt wird jedoch nur dann, wenn die im Vertrag beschriebene Katastrophe – etwa ein Erdbeben – nicht eingetreten ist.
Im Schadensfall werden dagegen keine Zinsen gezahlt und unter Umständen fällt sogar die Rückzahlung der Einlagen ganz oder teilweise aus. Stattdessen erhält der Versicherer Erlöse aus dem Verkauf der von der Zweckgesellschaft verwalteten Wertpapiere. Das Resultat: Die Risiken werden nicht mehr alleine vom Versicherer getragen, sondern von den Investoren, die Katastrophenanleihen gekauft haben.