Gut vier von zehn Frauen in Deutschland verdienen sich ihren Lebensunterhalt selbst. Doch sobald das erste Kind kommt, rückt die Karriere schnell in den Hintergrund. Noch immer sind es vor allem die Mütter, die bei einer Familiengründung ihre Arbeitszeit reduzieren oder den Job ganz aufgeben.
Rund 6,9 Millionen Frauen im erwerbsfähigen Alter lebten im Jahr 2008 mit mindestens einem Kind unter 15 Jahren in einem Haushalt zusammen. Sie waren zu 55,5 Prozent erwerbstätig – wohingegen 84,9 Prozent von 5,9 Millionen 15- bis 64-jährigen Vätern arbeiteten.
Dabei standen die Mütter umso häufiger im Beruf, je älter ihr Nachwuchs war. So arbeitete 2008 ein Drittel der Frauen, die ein Kind unter drei Jahren aufzogen. Von den Frauen mit sechs- bis neunjährigen Kindern hatten schon fast zwei Drittel einen Job, von jenen mit älteren Kindern etwa 70 Prozent.
In den Erwerbstätigenquoten spiegelt sich aber auch die bessere Betreuungs-Infrastruktur in den neuen Bundesländern wider: Die Quote der arbeitenden Mütter liegt im Osten mit 58 Prozent zwar nur 3 Prozentpunkte über jener im Westen; allerdings sind in Ostdeutschland mit 53 Prozent mehr als doppelt so viele Mütter vollzeitbeschäftigt wie in den Westländern (22 Prozent). Noch weitaus mehr Frauen mit Kind würden im Osten gern Vollzeit arbeiten, doch sie finden keine passende Stelle.
Generell geht der Trend deutschlandweit ganz klar dahin, dass Eltern trotz Nachwuchs zumindest Teilzeit arbeiten (Grafik):
Zwischen 1998 und 2008 ist die Teilzeitquote der Mütter mit minderjährigen Kindern von 53 Prozent auf 69 Prozent angestiegen. Bei Vätern kletterte sie von 2 auf 5 Prozent.
Dass Frauen dennoch viele Karrierepläne nicht verfolgen können, hat noch einen anderen Grund: Zu den familiären Pflichten, die nach wie vor vornehmlich von Frauen übernommen werden, gehört zunehmend auch die Pflege von Angehörigen. Schon heute werden über eine Million Menschen ausschließlich von Angehörigen zu Hause gepflegt; Frauen schultern dabei mit 73 Prozent den überwiegenden Teil.
Nicht zuletzt die deutschen Unternehmen sind deshalb gefordert, Frauen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie noch besser zu ermöglichen. Viele Betriebe haben schon heute eine große Bandbreite von Teilzeitmodellen wie klassische Tagesteilzeit, Blockteilzeit oder Job-Sharing eingeführt – in Kombination mit Arbeitszeitkonten und Telearbeit.
Dennoch müssen gesellschaftlich und politisch noch bessere Rahmenbedingungen geschaffen werden, um Frauen die Rückkehr auf den Arbeitsmarkt zu erleichtern. Davon würde auch die deutsche Wirtschaft profitieren – schließlich ist die aktuelle Frauengeneration die am besten ausgebildete aller Zeiten.