Die Berufsgenossenschaften zahlen bei Arbeitsunfall oder Berufserkrankung nicht nur die medizinische Behandlung, Reha oder Rente. Mit großem Erfolg kümmern sie sich auch gemeinsam mit den Unternehmen um die Prävention im Betrieb. Seit 1970 ist das Arbeitsunfallrisiko nicht zuletzt dadurch um fast drei Viertel gesunken.
Ob Arbeits-, Wegeunfall oder Berufserkrankung – wenn etwas passiert, treten sofort die Unfallversicherungsträger auf den Plan. Sie kümmern sich um alles – angefangen von der medizinischen Behandlung und Rehabilitation über die berufliche Wiedereingliederung bis hin zur Rentenzahlung, selbst an Hinterbliebene.
Die Berufsgenossenschaften der gewerblichen Wirtschaft hatten 2008 allein 33,7 Millionen abhängig Beschäftigte unter ihren Fittichen und darüber hinaus auch 1,2 Millionen Selbstständige. Vom Müllmann bis zum Polizisten waren weitere 4,25 Millionen Personen bei den Unfallversicherungsträgern der öffentlichen Hand abgesichert.
Von den Leistungen profitieren nicht allein die berufsbedingt verunglückten oder erkrankten Mitarbeiter. Im Falle eines Falles sind auch die Arbeitgeber vor Haftpflichtansprüchen gefeit. Und dieser Fall der Fälle tritt gar nicht so selten ein:
Im Jahr 2008 wurden über eine Million Arbeitsunfälle gemeldet, allein in der gewerblichen Wirtschaft waren es 866.190.
Hinzu kamen noch einmal rund 179.000 Wegeunfälle. Denn die Beschäftigten sind auch auf dem Weg zur und von der Arbeit abgesichert – obwohl die Arbeitgeber keinen Einfluss darauf haben, wie sich ihre Mitarbeiter im Feierabendverkehr verhalten.
Damit wenig passiert – im Betrieb und auf dem Weg dorthin –, entwickeln die Berufsgenossenschaften Vorschriften für den Arbeitsschutz, kontrollieren deren Umsetzung vor Ort und schulen die betrieblichen Sicherheitsfachkräfte. Im Jahr 2009 veranstalteten sie dazu in den Betrieben der gewerblichen Wirtschaft 18.100 Fortbildungen für 333.100 Teilnehmer.
Auch wenn die Prävention mit knapp 900 Millionen Euro 2008 nur etwas mehr als 7 Prozent des 12,2-Milliarden-Euro-Etats aller Berufsgenossenschaften ausmachte – die Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern hat einen enormen Multiplikatoreffekt. Denn die Unternehmen investieren ein Vielfaches dieser Summe – in ergonomische Bürostühle ebenso wie in die Sicherheitstechnik im Maschinenpark. Die Anstrengungen lohnen sich:
Seit 1970 ist das Risiko in der gewerblichen Wirtschaft, in einen Arbeitsunfall verwickelt zu werden, um 73 Prozent gesunken.
Wurden 1970 noch 103 Arbeitsunfälle je 1.000 Vollzeitstellen gemeldet, reduzierte sich deren Zahl bis zum Jahr 2008 auf knapp 28.
Das Risiko, zu verunglücken, ist allerdings je nach Branche unterschiedlich hoch: Wer Mauern verputzt oder Möbel schreinert, trägt ein mehr als doppelt so hohes Unfallrisiko wie etwa ein Drucker. Wer im Krankenhaus Patienten pflegt oder in der Chemischen Industrie arbeitet, hat dagegen am wenigsten zu befürchten (Grafik).
Obwohl jeder Arbeitnehmer dazu beitragen kann, dass sein Arbeitsplatz oder der Heimweg sicherer wird, tragen anders als in den übrigen Zweigen der gesetzlichen Sozialversicherung die Arbeitgeber alleine die Finanzierung der Unfallversicherung:
Im Durchschnitt aller Branchen betrug der Beitragssatz 2008 genau 1,26 Prozent der Arbeitsentgelte.
Weil das berufsbedingte Unfall- und Erkrankungsrisiko von Branche zu Branche variiert, müssen die Unternehmen unterschiedlich tief in die Tasche greifen. Die Spanne der Beitragssätze reicht dementsprechend von 0,74 Prozent des beitragspflichtigen Entgelts beim Branchenprimus Gesundheitsdienst bis hin zu 7,47 Prozent im Bergbau. Große Wirtschaftszweige wie die Metall- und Elektro-Industrie sowie die Chemie liegen mit einem Satz von 1,23 bzw. 1,19 Prozent unter dem Durchschnitt. Je nach Sicherheitsstandard im Betrieb kann der Beitrag noch einmal unternehmensindividuell nach oben oder unten abweichen – ein zusätzlicher Ansporn, sich in Sachen Prävention zu engagieren.