Die Zahl der Unternehmensgründungen in Deutschland ist 2009 leicht gestiegen. Ob sich der zuvor rückläufige Trend damit gedreht hat, ist allerdings fraglich. Denn viele Firmen sind entstanden, weil ihre Gründer vor der Wahl standen: Arbeitslosigkeit oder Selbstständigkeit. Zudem haben sich die Finanzierungsprobleme potenzieller Neu-Unternehmer in jüngster Zeit verschärft, was ebenfalls keinen Gründungsboom erwarten lässt.
Wer in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten nach guten Neuigkeiten sucht, den dürfte die Meldung von Anfang Januar erfreut haben: Nach ersten Schätzungen des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn wurden in Deutschland 2009 insgesamt 410.000 Unternehmen gegründet – das waren 3 Prozent mehr als im Vorjahr.
Dies ist allerdings nicht unbedingt ein Beleg dafür, dass die Bundesbürger mehr zukunftsweisende Geschäftsideen gehabt hätten, mit denen sie künftig Gewinne erzielen und zahlreiche neue Jobs schaffen könnten. Denn anders als in den USA, wo viele Gründer geschäftliche Chancen zu nutzen versuchen, entsteht in Deutschland traditionell ein hoher Anteil aller neuen Firmen aus der Not, also aus der Arbeitslosigkeit heraus. Daher spiegelt die 2009 gestiegene Zahl der Gründungen wohl nicht zuletzt die im Zuge der Krise leicht verschlechterte Arbeitsmarktsituation wider.
Doch selbst wenn die neu entstandenen Betriebe allesamt Zukunft haben sollten, so zeigt der Gründungstrend mittelfristig eindeutig abwärts. Dies gilt auch für Unternehmen, die das Potenzial haben, für zusätzliche Beschäftigung zu sorgen. Als Kriterium hierfür gilt, dass eine Firma im Handelsregister eingetragen wurde oder maßgeblich durch Fremdkapital finanziert und dies durch die Wirtschaftsauskunftei Creditreform dokumentiert wurde. Die Entwicklung im Detail, wie sie das Gründungspanel der KfW Bankengruppe sowie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) widerspiegelt (Grafik):
Die Zahl dieser Unternehmensgründungen schrumpfte von 2005 bis 2008 um nahezu 15 Prozent auf 206.000.
Auf Vollzeitstellen umgerechnet zählten die 2008 auf die Beine gestellten Betriebe nach der Abgrenzung des Gründungspanels insgesamt 411.500 Beschäftigte – gut ein Fünftel weniger als bei den Gründungen des Jahres 2005. Zuletzt arbeiteten in jeder Neugründung im Schnitt nur noch zwei Personen.
Kleiner heißt jedoch nicht unbedingt auch erfolgloser – wie sich im derzeit raueren Wirtschaftsklima zeigt. In der Befragung von KfW und ZEW vom Sommer 2009 gab zwar knapp die Hälfte der seit 2005 gegründeten größeren Unternehmen an, vom Konjunkturtief negativ betroffen zu sein – etwa weil Aufträge ausblieben oder die Kunden nicht zahlten.
Immerhin fast jede zehnte junge Firma berichtete aber, sie könne aus der Krise sogar positive Impulse für das eigene Geschäft gewinnen – etwa, weil sie ihre Produkte günstiger anbietet als die etablierte Konkurrenz.
Die beste Unternehmensstrategie nützt jedoch wenig, wenn die erforderlichen Finanzmittel zur Umsetzung der Ideen fehlen. Dieses Problem plagt viele frischgebackene Firmengründer schon länger. Bereits 2008 gaben 22 Prozent von ihnen an, nur schwer an Kredite, Kapitaleinlagen oder auch öffentliche Gründungszuschüsse zu kommen. Ein Jahr zuvor waren es nur 16 Prozent und in früheren Jahren noch weniger. Die meisten Unternehmer gehen daher nur an den Start, wenn sie über ein finanzielles Polster verfügen – zuletzt haben neun von zehn Gründern eigene Mittel genutzt, die insgesamt gut die Hälfte des Finanzbedarfs gedeckt haben.