Das Wachstum der deutschen Wirtschaft bleibt im Jahr 2010 schwach. Zwar gehen die meisten Ökonomen davon aus, dass die Exporte wieder mehr Dynamik zeigen. Die Investitionen werden jedoch nahezu stagnieren, und auch dem Arbeitsmarkt steht die härteste Zeit noch bevor.
Die schlimmste Krisenphase ist vorbei – die deutsche Wirtschaft wird 2010 wieder wachsen. Vor allem angesichts des Konjunktureinbruchs im vergangenen Jahr geben die Zahlen der Wirtschaftsforscher allerdings keinen Anlass zur Euphorie:
Je nach Institut erwarten die Experten für das neue Jahr einen Anstieg des realen Bruttoinlandsprodukts zwischen 0,9 und 1,7 Prozent.
Zudem erhält die Wirtschaft nicht nur positive Impulse. Auf der einen Seite kommt der Exportmotor wieder stärker auf Touren und steigert so das Wachstum. Auf der anderen Seite aber trifft die Krise den Arbeitsmarkt erst 2010 mit voller Härte. Entsprechend schwach entwickelt sich die Inlandsnachfrage. Die Aussichten im Einzelnen:
• Außenhandel. Die Einbrüche im internationalen Geschäft hatten der deutschen Wirtschaft 2009 besonders stark zugesetzt. Inzwischen ist es umgekehrt – die sich anbahnende Konjunkturerholung ist zum guten Teil der Nachfrage aus dem Ausland zu verdanken, wie die Ausfuhrzahlen zeigen:
Die Konjunkturforscher aus Kiel, Essen und München erwarten für 2010 einen Anstieg der realen Exporte von mehr als 8 Prozent.
Zurückhaltender gibt sich das Wirtschaftsforschungsinstitut in Halle, das ein Plus der Auslandsverkäufe von 5 Prozent errechnet hat. Zwar gehen die meisten Prognosen von einer ebenfalls deutlichen Steigerung der Einfuhren aus, dennoch wird der Außenhandel zum wichtigsten Wachstumstreiber. Lediglich die Kieler Wirtschaftsexperten kommen zu dem Schluss, dass der Außenbeitrag die Konjunktur abbremst.
• Investitionen. Hier sprechen die Experten fast mit einer Stimme – danach investiert die deutsche Wirtschaft 2010 real kaum mehr als im abgelaufenen Jahr. Die Mehrzahl der Institute hält einen Zuwachs der Investitionen – etwa in Maschinen, Software und Bürogebäude – zwischen knapp 1 und 2 Prozent für wahrscheinlich. Allein das Kieler Institut für Weltwirtschaft ist optimistischer und rechnet mit mehr als 4 Prozent. Doch selbst dies würde bei weitem nicht ausreichen, um den fast 10-prozentigen Einbruch der Investitionen im Jahr 2009 wettzumachen.
• Arbeitsmarkt. Generell verkünden die Prognosen, dass sich die Beschäftigungssituation 2010 verschlechtert. Das Ausmaß ist jedoch umstritten. Besonders pessimistisch sind die Ökonomen aus Halle – sie erwarten einen Rückgang der Erwerbstätigenzahl um 2,4 Prozent bzw. 960.000 sowie fast 4,5 Millionen Arbeitslose, was einer Quote von 10,3 Prozent entspräche. Zuversichtlicher ist das Münchener ifo Institut. Ihm zufolge werden nur 0,7 Prozent der Stellen abgebaut, und die Arbeitslosenquote steigt lediglich auf 8,3 Prozent.
• Privater Konsum. Hier unterscheiden sich die Meinungen ebenso deutlich. Mehrere Institute gehen von einem Minus aus – vor allem aufgrund des ungünstigen Arbeitsmarkttrends. Die Kieler Forscher rechnen dagegen mit einem um 1,8 Prozent höheren privaten Verbrauch als 2009 – gestützt durch die positive Entwicklung der Einkommen. Deren Kaufkraft wird im Übrigen wohl nur in geringem Maße durch die Inflation geschmälert.