Viele Regionen kämpfen nach wie vor mit den Auswirkungen der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise. Doch immerhin signalisieren einige Indikatoren für 2010 wieder bessere Aussichten. Vor allem der asiatische Raum dürfte wie früher mit hohen Wachstumsraten glänzen. In manchen Industrieländern sitzt der Konjunkturschock aber noch immer tief.
Vor einem Jahr sagten Wirtschaftsforscher schwere und lange konjunkturelle Dürreperioden voraus. In den vergangenen Wochen und Monaten keimte zumindest aber wieder Optimismus auf – auch wenn sich Experten und internationale Organisationen nicht einig sind, in welchem Maße die Konjunktur wieder in Schwung kommt.
Die OECD erwartet für das neue Jahr ein Plus der realen Weltwirtschaftsleistung von mehr als 3 Prozent und einen Anstieg des realen Welthandels um 6 Prozent.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) geht in seiner Prognose vom Herbst ebenfalls von einem 3-prozentigen Wachstum des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus. Dem realen Welthandel prophezeit der IWF allerdings nur ein Plus von 2,5 Prozent.
Dass es so schnell wieder aufwärts geht, ist vor allem den umfassenden Wirtschaftshilfen der Regierungen und Zentralbanken zu verdanken: Niedrige Zinsen, Kapitalspritzen für Unternehmen und den Finanzsektor sowie massive Konjunkturprogramme haben der lahmenden Wirtschaft auf die Beine geholfen. Doch Probleme gibt es weiterhin:
• USA. Das reale BIP der Vereinigten Staaten dürfte – nach einem Minus von 2,5 Prozent im Jahr 2009 – in diesem Jahr zwar um rund 2,5 Prozent zulegen (Grafik). Aber die nackten Wachstumszahlen täuschen darüber hinweg, dass sich die USA in sehr schwierigem Fahrwasser befinden. Dies zeigt sich vor allem am Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote liegt bei rund 10 Prozent. Zusammen mit den unsicheren Erwartungen dämpft das die Kauflaune der US-Bürger ge-hörig. Doch gerade der private Konsum hatte in der Vergangenheit die amerikanische Konjunktur angekurbelt.
Auch für die Investitionen erwarten Experten in diesem Jahr nur ein mageres Plus. Sorgen bereiten zudem die US-Staatsfinanzen. Denn der Preis der Krise ist hoch: Das amerikanische Haushaltsdefizit wird in diesem Jahr fast 11 Prozent betragen und sich auch im Jahr 2011 zwischen 9 und 10 Prozent bewegen. Die gesamte Staatsverschuldung wird dann auf nahezu 100 Prozent des BIP ansteigen.
• Europa. Der europäische Kontinent ist nach wie vor von der Rezession gebeutelt. So dürfte das reale BIP des Euroraums in diesem Jahr nur um knapp 1 Prozent zulegen, nachdem es 2009 um 4 Prozent geschrumpft ist.
Immerhin: Dank flexibler Regelungen auf dem Arbeitsmarkt – wie etwa Kurzarbeit – konnten viele Unternehmen ihren Beschäftigungsstand halten. Für einen Großteil der Firmen bleiben die Aussichten in diesem Jahr jedoch schlecht. Um Kündigungen wird das ein oder andere Unternehmen daher wohl nicht herumkommen. Damit könnte die Arbeitslosenquote im Euroraum im Jahresdurchschnitt auf 10,6 Prozent klettern.
Das Maastricht-Kriterium, das den Euroländern eine Neuverschuldung von maximal 3 Prozent ihres BIP erlaubt, wird krisenbedingt vielerorts verfehlt: Über alle Eurostaaten hinweg dürfte das Haushaltsdefizit 2010 bei 6,7 Prozent liegen. Besonders ehemalige Musterstaaten wie Spanien oder Irland haben mit roten Zahlen zu kämpfen.
Etwas bergauf gehen dürfte es für Russland sowie Mittel- und Osteuropa. So könnte Russland wieder einen Anstieg des realen BIP um fast 5 Prozent verzeichnen.
• Asien. Der größte Kontinent wird wohl insgesamt mit den besten Aussichten ins neue Jahr starten.
Für China rechnet die OECD mit einem realen BIP-Anstieg um 10 Prozent, für Indien mit über 7 Prozent.
In Japan könnte die Wirtschaftsleistung um knapp 2 Prozent steigen. Weil Nippon unter anderem mit der Staatsverschuldung und Deflation nach wie vor große Probleme hat, wird das Land allerdings kaum die Rolle einer Konjunkturlokomotive einnehmen können.