Die Messung von Direktinvestitionen ist selbst für Experten ein schwieriges Unterfangen. Eine neue Statistik soll die internationalen Kapitalverflechtungen besser erfassen und transparenter machen. Bis das Zahlenwerk umfassende Daten liefert, sind allerdings noch einige Probleme zu lösen. Angesichts der weltweiten Rezession sitzt vielen Investoren das Geld nicht mehr so locker in der Tasche. Dennoch gehören Unternehmensbeteiligungen und -zukäufe sowie Fusionen weiterhin zum globalen Wirtschaftsalltag. Auch der Standort D bleibt für ausländische Kapitalgeber bedeutsam: Zum Ende des Jahres 2007 summierten sich die Direktinvestitionsbestände ausländischer Unternehmen in Deutschland auf rund 460 Milliarden Euro – damit ist die Bundesrepublik weltweit das siebtbeliebteste Ziel der Investoren. Bislang werden die Daten zu den grenzüberschreitenden Investitionsaktivitäten der Firmen von der Deutschen Bundesbank erfasst. Doch diese Zahlen bilden die immer vielschichtigeren Investitionsentscheidungen der Unternehmen nur noch unzureichend ab. Kreditverflechtungen etwa, die dazu dienen, internationale Unterschiede in der Besteuerung zu nutzen, oder auch Investitionen durch Beteiligungsgesellschaften machen es für die Statistiker immer schwerer, die Art und Herkunft der Investitionsmittel zu identifizieren. Auf der Grundlage einer EU-Verordnung von 2007 soll daher europaweit eine neue Datenbasis geschaffen werden, die für mehr Durchblick sorgt – die sogenannte FATS, die Foreign Affiliates Statistics. Für Deutschland ist damit ein Wechsel der Zuständigkeiten verbunden. Während die Bundesbank weiterhin die „OutwardFATS“, die deutschen Direktinvestitionen im Ausland erfasst, soll das Statistische Bundesamt künftig für die „InwardFATS“, also die Direktinvestitionen ausländischer Firmen hierzulande verantwortlich sein.
Dadurch hoffen die Experten, Datenlücken zu schließen und mehr Klarheit darüber zu gewinnen, wie bedeutsam internationales Beteiligungskapital für die deutsche Wirtschaft ist. Daher sind z.B. folgende Änderungen geplant: • Anders als bisher soll die InwardFATS auch auf die amtliche Strukturstatistik zurückgreifen und von dort Daten etwa zum Umsatz und zum Produktionswert der Unternehmen beziehen. Die Betriebe müssen also keine zusätzlichen Befragungen über sich ergehen lassen. • Die Strukturdaten sollen durch jährlich erhobene Unternehmensindikatoren aus anderen Quellen ergänzt werden – etwa von der Bundesagentur für Arbeit oder von privaten Dienstleistern wie z.B. Marktforschungsunternehmen. Die ersten regulären Ergebnisse der neuen Statistik werden zwar erst im Frühjahr 2010 vorliegen – für 2007. Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie hat das Statistische Bundesamt jedoch bereits erste Zahlen für 2006 präsentiert. Danach sind die Firmen, an denen ausländische Investoren mehrheitlich beteiligt sind, echte Schwergewichte (Grafik): Auslandskontrollierte Unternehmen stellten im Jahr 2006 zwar nur 1 Prozent aller Unternehmen in Deutschland, steuerten aber 19 Prozent zu allen Firmenumsätzen bei. Mit 1,9 Millionen Arbeitskräften zählten die Betriebe in ausländischer Hand etwa 9 Prozent aller Beschäftigten in ihren Reihen. Drei Viertel der ausländischen Mutterunternehmen haben ihren Sitz in Europa, fast 60 Prozent sind in den EU-Mitgliedsländern zu Hause. Diese ersten Ergebnisse können jedoch kaum darüber hinwegtäuschen, dass die neue Statistik noch einige Schwachstellen hat. So wenden die einzelnen EU-Länder unterschiedliche Methoden zur Erhebung der FATS an, sodass die Zahlen nicht unbedingt vergleichbar sind. Daher erarbeitet die europäische Statistikbehörde Eurostat derzeit einheitliche Standards. Ab 2010 will Eurostat zudem einen jährlichen Qualitätsbericht veröffentlichen.
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