Unternehmen, Stiftungen und Verbände fördern in Deutschland zahlreiche Professorenstellen. Dies erleichtert jungen Wissenschaftlern den Einstieg in die Hochschulkarriere und ermöglicht innovative Forschungsansätze. Der Staat sollte dieses lohnende Engagement durch eine stärkere steuerliche Anerkennung der Stiftungsaktivitäten unterstützen. Bildung zählt in Deutschland zu den zentralen Aufgaben des Staates. Doch angesichts der klammen öffentlichen Haushalte sind gerade an den Hochschulen private Finanziers höchst willkommen. Ohne sie würde es viele Lehrstühle nicht geben: Derzeit werden laut Stifterverband für die deutsche Wissenschaft 660 der insgesamt rund 38.000 Professuren in der Bundesrepublik mit privatem Kapital finanziert. Die Fächerpalette ist breit – mit einigen Schwerpunkten (Grafik): Jeweils rund ein Drittel der Stiftungsprofessuren ist in den Wirtschaftswissenschaften sowie den MINT-Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik angesiedelt. Am meisten springen lassen die Förderer für eine Professur in Mathematik, Informatik und den Naturwissenschaften – im Schnitt 300.000 Euro jährlich. Damit sollen die Personalkosten gedeckt und Sachmittel bezahlt werden. Wissenschaftler, die in den Genuss der Fördermittel kommen wollen, müssen das reguläre Bewerbungsverfahren der jeweiligen Hochschule durchlaufen. Wer daraus erfolgreich hervorgeht, braucht sich um seine geistige Unabhängigkeit nicht zu sorgen: Zwar spricht der Finanzier bei der Auswahl der Forschungsschwerpunkte ein Wörtchen mit, auf die Ergebnisse nimmt er aber keinen Einfluss. Die wichtigsten Geldgeber sind die Unternehmen – sie finanzieren 41 Prozent der gesponserten Lehrstühle. Weitere 27 Prozent sind den Stiftungen zu verdanken, wobei deren Vermögen oft ebenfalls aus unternehmerischer Tätigkeit stammt. Weitere Förderer sind Forschungsverbünde, Verbände, Vereine und Einzelpersonen. Die Sponsoren verfolgen mit ihrem Engagement klare Ziele: Vier von fünf Geldgebern erwarten, dass ihr Engagement die Kooperation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft verstärkt. Fast ebenso viele gehen davon aus, dass ihr Zutun Innovationen vorantreibt (82 Prozent) und den Nachwuchs fördert (77 Prozent).
Den Unternehmen ist besonders wichtig, dass mit ihrem Geld neue Forschungsfelder erschlossen werden und sie selbst sich enger mit den Hochschulen vernetzen. Dabei geht es auch darum, Kontakte zu begabten Studenten zu knüpfen. Zu diesem Zweck machen die Firmen nicht nur viele Euros locker, sie engagieren sich auch in der Lehre und in gemeinsamen Forschungsprojekten mit den Akademikerschmieden. Diese Art von Wissenschaftsförderung kommt bei allen Beteiligten gut an – so sind 64 Prozent der Förderer, 72 Prozent der Hochschulen und 79 Prozent der Lehrstuhlinhaber zufrieden mit der Zusammenarbeit in der Forschung. Verbesserungsmöglichkeiten sieht der Stifterverband bei der Übernahme der Stiftungslehrstühle in den regulären Stellenbestand der jeweiligen Uni. Bislang gelingt dies in zwei Dritteln der Fälle, die Entscheidung hängt aber von der Lage der öffentlichen Kassen ab. Daher sollen künftig mehr Professuren dauerhaft aus den Erträgen eines Stiftungskapitals finanziert werden. Die dafür erforderlichen Summen lassen sich aber nur aufbringen, wenn der Staat die steuerliche Förderung von Stiftungsaktivitäten verbessert.
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