Duale Berufsausbildung

Jobeinstieg für viele Jugendliche

Was soll ich bloß werden? Auf diese Frage haben die meisten Schülerinnen und Schüler eine Antwort parat. So entscheiden sich zwei von drei Jugendlichen nach dem Schulabschluss für eine betriebliche Berufsausbildung. Damit der Einstieg ins Arbeitsleben noch besser klappt, will die nationale Qualifizierungsinitiative von Bund und Ländern z.B. Firmen mit einem Ausbildungsbonus bewegen, zusätzliche Lehrstellen zu schaffen.

 

Junge Menschen können derzeit aus mehr als 340 anerkannten Ausbildungsberufen in Deutschland wählen; seit August dieses Jahres stehen außerdem sieben neue Jobs zur Wahl – wie etwa der Personaldienstleistungskaufmann oder der Produktionstechnologe. Zudem bieten die Länder zahlreiche schulische Ausbildungen – beispielsweise in Assistenten- und Gesundheitsberufen – an. 

 

Die Chancen, einen dieser dualen Ausbildungsberufe zu erlernen, stehen so gut wie lange nicht mehr. So schlossen die Unternehmen im vergangenen Jahr  rund 625.000 Ausbildungsverträge neu ab, das waren 8,6 Prozent mehr als 2006. Dieses Jahr dürften es sogar noch ein paar Neuverträge mehr werden, die Industrie- und Handelskammern melden für die ersten acht Monate 2008 bereits ein Plus von 4,8 Prozent bei den Ausbildungskontrakten. Lediglich die Handwerkskammern beklagen einen Rückgang von 2,4 Prozent. Vor allem für die technisch anspruchsvolleren Ausbildungsberufe des Handwerks – wie bei den Augenoptikern oder den Zahntechnikern – fehlen geeignete Lehrstellenbewerber.

 

Die parallele Ausbildung in Betrieb und Berufsschule ist gerade für leistungsschwächere Jugendliche attraktiv – ist ihnen doch der Weg zu Berufsfachschulen oftmals verwehrt, da diese meist einen mittleren Bildungsabschluss als Eingangsvoraussetzung fordern. Eine Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zeigt, dass ehemalige Hauptschüler diese Hürde häufig nicht schaffen:
Zweieinhalb Jahre nach Abschluss erlernen lediglich 30 Prozent der Hauptschulabgänger mit entsprechendem Ausbildungswunsch einen Beruf an einer Fachschule.

 

Mit rund 67 Prozent gelingt es dagegen mehr als doppelt so vielen Kandidaten, innerhalb dieses Zeitraums eine Ausbildung im dualen System zu beginnen. Das zeigt, dass die betriebliche Berufsausbildung für Hauptschüler deutlich bessere Qualifizierungschancen birgt, als in der öffentlichen Diskussion vielfach behauptet wird.

 

SchulabgängerAllerdings bewältigen längst nicht alle Schulabgänger ohne weiteres den Weg von der Penne zur Profession (Grafik):
So ist annähernd jeder 15. Schüler zweieinhalb Jahre nach Schulabschluss arbeitslos, bei den Hauptschulabgängern gar jeder siebte. Und mehr als jeder achte Hauptschüler durchläuft 30 Monate nach dem Schulende eine Qualifizierungsmaßnahme, etwa ein Berufsgrundbildungsjahr.

 

Diese für viele junge Menschen unbefriedigende Situation soll sich ändern: Mit ihrer geplanten Qualifizierungsinitiative „Aufstieg durch Bildung“, die am 22. Oktober im Rahmen des Bildungsgipfels verabschiedet wird, wollen Bund und Länder die Zahl der Altbewerber reduzieren. Die Bundesregierung hat dafür einen Ausbildungsbonus für Firmen auf den Weg gebracht, mit dem 100.000 zusätzliche Lehrstellen für Jugendliche geschaffen werden sollen, die sich bereits im Vorjahr erfolglos um eine Lehrstelle beworben hatten. Ob dieser Bonus, dessen Vergabekriterien recht bürokratisch gestaltet sind, nicht nur zu Mitnahmeeffekten führt, wird sich in der Praxis erst noch zeigen müssen.

 

Auf der Agenda der Initiative steht außerdem, die Zahl der Schul- und Ausbildungsabbrecher zu senken. Derzeit verlassen 8 Prozent eines Jahrgangs die Schule ohne Abschluss, aus der Lehre steigt jeder fünfte Azubi vorzeitig aus. Eine intensivere schulische Förderung sowie eine verstärkte sozialpädagogische Begleitung der Lehrlinge sollen helfen, die Abbrecherquoten innerhalb der nächsten fünf Jahre zu halbieren. Dies darf jedoch nicht dazu führen, dass die Qualität der Schulabschlüsse verwässert wird. Das wiederum ließe sich durch die Einführung und Einhaltung von Bildungsstandards verhindern.

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