Kein Einfluss der Wirtschaft, mehr Lehrpersonal, Abschaffung des achtjährigen Abiturs, des Bachelorabschlusses und der Studiengebühren – das sind die Hauptforderungen im aktuellen Bildungsstreik der Schüler und Studenten. Die Vorstellung, die Wirtschaft wolle Schulen und Hochschulen die Lehrpläne diktieren, ist allerdings abwegig.
Einige der Forderungen sind im Kern durchaus berechtigt, in ihrer Radikalität aber nicht. So sind nicht die anvisierten kürzeren Bildungsgänge schlecht, sondern ihre Durchführung: Unreflektierte Stoffhuberei statt neukonzipierter Unterrichts- und Studienpläne führt in vielen Schulen und Hochschulen zu stressreicher Paukerei ohne Nachdenken. Eigenständiges Lernen und der Blick über den Tellerrand – durch Praktika oder Auslandsaufenthalte – drohen auf der Strecke zu bleiben. Das ist fatal, denn es sind die breit interessierten, eigenverantwortlich lernenden und handelnden jungen Leute, die die Wirtschaft braucht.
Geld fehlt in der Tat für vernünftig ausgebaute Ganztags-Gymnasien, damit das Abi in acht Jahren gelingt. Lediglich 3 Prozent aller Gymnasien sind derzeit verpflichtende Ganztagsschulen. Geld fehlt auch für die Sanierung der maroden Bausubstanz an Hochschulen. Bei den Studiengebühren muss rechtlich zweifelsfrei klar gestellt werden, dass damit die Betreuungsrelationen – weniger Hochschüler je Dozent - verbessert werden können.
Mit Geld allein ist es aber nicht getan: In Schulen und Hochschulen fehlen die Anreize, sich in der Lehre wirklich zu engagieren. In anderen Ländern haben die Leistungen in der Lehre teilweise deutlichen Einfluss auf die Gehälter. Auch die Mittelzuweisung von staatlicher Seite braucht mehr Nachfrageorientierung, im Hochschulbereich beispielsweise durch Gutscheine.