Auf den Punkt gebracht

zurück

Gesetzliche Rentenversicherung

  • Warum die gesetzliche Rentenversicherung immer kostspieliger wird:
    – Längerer Rentenbezug. Die Menschen gehen unverändert früh in Rente – 1970 im Schnitt mit 61,5 Jahren, zuletzt 2007 mit 60,7 Jahren. Sie beziehen ihr Ruhegeld aber immer länger – 2007 lag die durchschnittliche Rentenbezugsdauer bei 17,4 Jahren, 1970 waren es nur 11,1 Jahre.
    – Steigende Zahl von Einzelrenten. Im Jahr 1979 zahlten die Rentenversicherungsträger 9,9 Millionen Renten aus, 2007 waren es 24,7 Millionen, die sie auf 20,2 Millionen Ruheständler verteilten.
    – Ungünstigeres Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentnern. Kommen derzeit auf 100 Beitragszahler nur 58 Rentner, wird das Verhältnis 2030 schon bei 1 zu 1 liegen und 2050 wird ein Beitragszahler sogar für gut 1,1 Rentner aufkommen müssen.
  • Wie der Beitragssatzanstieg gedämpft werden soll:
    Abgesenktes Bruttorentenniveau. Mit der Rentenreform 2001 wurde festgelegt, dass der Beitragssatz von heute 19,9 Prozent bis 2020 nicht über 20 Prozent und danach bis 2030 nicht über 22 Prozent steigen darf. Dazu muss das Verhältnis von Eckrente – die bekommt ein Rentner mit 45 Beitragsjahren bei stets durchschnittlichem Verdienst - zum aktuellen Durchschnittsverdienst von derzeit rund 47 auf 40 Prozent bis zum Jahr 2030 sinken.
    Gebremste jährliche Rentenanpassung. Um das Bruttorentenniveau zu verringern, werden die Renten nicht mehr im gleichen Ausmaß erhöht, in dem die beitragspflichtigen Entgelte steigen. Dies bewirkt seit 2002 der Riester-Faktor und seit 2005 zusätzlich der Nachhaltigkeitsfaktor.
    Malus für Frühverrentung. Seit 2000 werden für jedes Jahr, das die Rente vor Erreichen der Regelaltersgrenze bezogen wird, dauerhaft 3,6 Prozent von dem bis dahin erreichten Anspruch abgezogen. Infolgedessen hat sich das Zugangsalter bei den Altersrenten leicht nach hinten verschoben: von 62,3 Jahren (2000) auf 63,1 Jahre (2007).
    – Erhöhung der Regelaltersgrenze. Von 2012 bis 2029 steigt der reguläre Rentenbeginn schrittweise von 65 auf 67 Jahre. Voraussichtlich wird damit gerade einmal die Verlängerung der Lebenserwartung ausglichen.
  • Was den Reformerfolg gefährdet: Subventionierte Wege in die Frühverrentung wie die geförderte Altersteilzeit, das Aussetzen der Rentenanpassungsformel oder wie zuletzt die Rentengarantie verzögern oder verhindern Anpassungen, die nötig sind, um die gesetzlichen Beitragssatz- und Versorgungsniveauziele zu erreichen. Geschenke an die Rentner von heute belasten die zukünftigen Generationen.

 

Mehr zum Thema

1 2 3 4
 
IW-Nachrichten
26. August 2010
Rente mit 67: Sonderfaktoren drücken Quote
Mindestens 50 Prozent der 60- bis 65-Jährigen müssen sozialversicherungspflichtig beschäftigt sein, andernfalls ist die Rente mit 67 nicht akzeptabel - so meinen Teile der SPD. Warum etwa die nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigten Beamten bei dieser Betrachtung außen vor bleiben sollen, bleibt allerdings ein Rätsel. Bezieht man diese und andere Beschäftigungsformen mit ein, dann ist die – vollkommen willkürlich festgelegte – Grenze von 50 Prozent in Teilbereichen praktisch erreicht.
IW-Nachrichten
13. August 2010
Ältere Arbeitnehmer: Keine Auslaufmodelle
Die Rente mit 67 wird wieder in Frage gestellt. Hauptstoßrichtung der Kritiker dieses Mal: Für ältere Beschäftigte seien gar nicht genug Beschäftigungsmöglichkeiten vorhanden. Es müssten sich also erst die Jobperspektiven der Generation 50pus verbessern, bevor über einen späteren Renteneintritt nachgedacht werden darf. Dabei wird übersehen, dass die Beschäftigung Älterer seit Jahren deutlich zunimmt.
IW-Nachrichten
27. Juli 2010
Rentengarantie: Auf Kosten der Beitragszahler
Auch wenn die Kritik an der Rentengarantie unpopulär erscheint, ist sie ökonomisch berechtigt. Denn die Rentengarantie stellt das Prinzip der dynamischen Rente auf den Kopf und belastet die aktiven Beitragszahler.
IW-Nachrichten
15. Januar 2010
Rentengarantie: Wider die Logik
Ob die Rentengarantie zum 1. Juli 2010 greift – die Renten also konstant bleiben, auch wenn die durchschnittlichen Bruttogehälter sinken –, ist auch nach den jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamts nicht sicher. Dass die Rentengarantie ein Fehler ist, bleibt aus ökonomischer Sicht jedoch unstrittig.
IW-Nachrichten
6. Mai 2009
Rentengarantie: Gift für den Generationenvertrag
Die Bundesregierung hat beschlossen, dass gesetzliche Renten auch dann nicht gekürzt werden dürfen, wenn die durchschnittlichen Gehälter sinken. Das hat mit der geltenden dynamischen Rente wenig zu tun, geschweige denn mit nachhaltiger Rentenpolitik. Denn die Zeche zahlen vor allem die jungen Beitragszahler.
1 2 3 4
Ansprechpartner
Dr. Jochen Pimpertz
Telefon:
0
221 4981-760
zum Profil
Auf den Punkt gebracht
[ImagePath_HyperLink1]

Argumentationshilfe zu Themen der Wirtschafts-, Sozial- und Bildungspolitik.

Nullrunden für Rentner